Klima & Luft · Grundlage
Temperatur und Luftfeuchte: die Zielwerte
Welche Temperatur und Luftfeuchte Tomate, Chili, Kräuter und Salat je Phase wollen, warum die Nacht zählt und wo der Fühler im Zelt hängt.
Das Zelt steht im Keller, der Rohrlüfter bläst in den Raum, und an der Kellerwand hinter dem Zelt glänzt seit ein paar Tagen ein feuchter Fleck. Das Thermo-Hygrometer hängt mit einem Kabelbinder direkt an der Lampe und misst deren Klima statt das der Pflanzen. Für Tomate, Chili, Basilikum und Salat zählen die Zahlen auf Blatthöhe, und die sehen je nach Kultur und Phase ziemlich verschieden aus.
- Tomaten wollen rund 18 bis 20 °C im Tagesmittel und nachts 15 bis 20 °C. Chili und Paprika wachsen bei 20 bis 30 °C, Basilikum bei 20 bis 25 °C, Kopfsalat ist mit 8 bis 12 °C in der Anzucht die Kühlkultur im Haus.
- Die Nacht entscheidet über den Fruchtansatz: Tomaten setzen bei Nächten über 21 °C schlecht an, Chili und Paprika unter 15 °C. Tage über 32 °C kosten bei beiden Früchte.
- Die Luftfeuchtigkeit sinkt mit der Phase: etwa 85 bis 90 % rF unter der Anzuchthaube, danach etwa 50 bis 75 % rF.
- Abluft, Zuluft und Umluft halten die Werte stabil. Das Thermo-Hygrometer hängt frei auf Höhe des Blattdachs, weg von Lampe und Wand.
Jede Kultur hat ihren Wohlfühlbereich
Im Hobbyzelt stehen oft Tomate, Chili, Basilikum und Salat nebeneinander, und jede Kultur will etwas anderes. Tomaten keimen bei rund 21 bis 25 °C, und direkt nach dem Auflaufen gehören sie hell und kühler, sonst werden sie bleich, dünn und weich. Angewachsen wollen sie rund 18 bis 20 °C im Tagesmittel, die Nacht kühler als der Tag; über 25 °C kostet die Wärme Wachstum und Früchte. Chili und Paprika sind die Warmduscher im Zelt: Keimung ab 22 °C, am besten 24 bis 27 °C am Tag und 22 °C in der Nacht, und während der ganzen Anzucht nicht unter 20 °C; angewachsen wachsen sie bei 20 bis 30 °C. Basilikum keimt ab 12 °C und mag 20 bis 25 °C, unter 10 °C stockt es. Kopfsalat ist das Gegenteil, eine Kühlkultur mit 16 bis 18 °C zur Keimung und 8 bis 12 °C in der Anzucht.
| Phase und Kultur | Temperatur | relative Luftfeuchte (rF) |
|---|---|---|
| Keimung Tomate | rund 21 bis 25 °C | etwa 85 bis 90 % unter der Haube |
| Keimung Chili, Paprika | ab 22 °C, am besten 24 bis 27 °C am Tag, 22 °C nachts | |
| Keimung Basilikum | ab 12 °C | |
| Keimung Kopfsalat | 16 bis 18 °C | |
| Wuchs Tomate | rund 18 bis 20 °C im Tagesmittel, Nacht kühler, nicht über 25 °C | etwa 50 bis 75 %, mit Früchten eher am unteren Ende |
| Anzucht Chili, Paprika | nicht unter 20 °C | |
| Wuchs Chili, Paprika | 20 bis 30 °C | |
| Wuchs Basilikum | 20 bis 25 °C | |
| Anzucht Kopfsalat | 8 bis 12 °C | |
| Blüte und Frucht | Tag unter 32 °C; Tomate nachts 15 bis 20 °C, Chili und Paprika nachts über 15 °C |
Keimlinge und Stecklinge mögen es unter der Haube mit etwa 85 bis 90 % rF feucht. Als VPD (Dampfdruckdefizit), also als Maß dafür, wie stark die Luft den Blättern Wasser entzieht, sind das etwa 0,3 kPa; Jungpflanzen mit Wurzeln vertragen 0,3 bis 0,7 kPa. Danach reichen etwa 50 bis 75 % rF, und sobald Früchte hängen, fährst du eher am unteren Ende, weit weg vom Grauschimmel.
Warum die Nacht wichtiger ist als der Tag
Die Nacht übersieht man leicht, dabei entscheidet sie bei Fruchtgemüse über die Ernte. Tomaten setzen bei Tagen über 32 °C und Nächten über 21 °C schlecht Früchte an, weil der Pollen nicht mehr lebensfähig ist, besonders bei trockener Luft. Nachts liegt ihr Bereich bei 15 bis 20 °C. Chili und Paprika leiden ab 32 °C am Tag oder unter 15 °C in der Nacht, über 35 °C setzen sie kaum noch Früchte an, und unter 10 °C nachts werfen sie Blüten ab. Läuft das Zelt zu heiß, regelst du die Abluft hoch, dimmst die Lampe oder hängst sie höher.
Die Lampe selbst macht die Blätter kaum wärmer als die Luft. Die Blatttemperatur, also die Temperatur der Blattoberfläche, liegt bei gut gegossenen Pflanzen unter LED wie unter einer Natriumdampflampe (HPS) innerhalb von 2 °C der Lufttemperatur. Erst ohne Wasser und ohne Luftbewegung heizt sich ein Blatt deutlich darüber auf; Gießen und Umluft halten es dort, wo das Thermo-Hygrometer misst.
Luftfeuchte: nachts geht sie hoch
Relative Luftfeuchte heißt: Wasserdampf in Prozent dessen, was die Luft bei dieser Temperatur tragen kann. Kühlt die Luft ab, trägt sie weniger, der Prozentwert steigt, ohne dass ein Gramm Wasser dazukommt. Deshalb springt die Anzeige nach Lichtende nach oben. Der Taupunkt sagt dir, ab welcher Temperatur es nass wird: Bei 24 °C und 70 % rF liegt er bei etwa 18 °C, jede Fläche darunter beschlägt; unter der Anzuchthaube mit 22 °C und 90 % rF sind es rund 20 °C.
Genau das ist das Wetter für Grauschimmel (Botrytis). Er braucht vor allem anhaltend hohe Luftfeuchte, am liebsten bei etwa 18 bis 24 °C, und Tau auf den Blättern in der Nacht treibt das Risiko deutlich nach oben. Also lüftest du, lässt einen Ventilator laufen, hältst das Laub trocken und gießt auf die Erde statt über die Blätter. Tomaten danken es doppelt, denn feuchte, stehende Luft stört gerade zur Blüte ihre Befruchtung.
Abluft, Zuluft, Umluft: so bleiben die Werte stabil
Die Zahlen aus der Tabelle hältst du mit drei Luftströmen. Die Abluft zieht die warme, feuchte Luft über den Rohrlüfter aus dem Zelt. Wie viel, sagt der Luftwechsel: Etwa 20- bis 60-mal je Stunde soll das Zeltvolumen durch den Lüfter, mit LED und kühlem Aufstellraum reicht der untere Wert, im Sommer brauchst du den oberen. Für ein Zelt mit 1,2 × 1,2 × 2,0 m sind das rund 58 bis 173 m³/h, und davon kassieren Aktivkohlefilter, Rohr und Bögen noch ihren Anteil, der Filter allein 20 bis 30 %. Darum lieber eine Nummer größer planen.
Die Zuluft strömt unten nach, passiv über Klappen oder mit eigenem Lüfter, und sollte mindestens 75 % der Abluftleistung bringen. So entsteht leichter Unterdruck, Gerüche bleiben drin, und der Lüfter arbeitet frei. Die Umluft bewegt die Luft innerhalb des Zelts: Ein Clip- oder Standventilator, indirekt gegen die Zeltwand gerichtet statt direkt auf die Pflanzen, löst das feuchte Mikroklima zwischen den Blättern auf. Bläst die Abluft nur ins Zimmer, steigen dort Temperatur und Feuchte, und an kühlen Wänden beschlägt es; ein Wohnraum liegt am besten bei 40 bis 60 % rF, also geht die Abluft nach draußen, oder der Raum bekommt regelmäßig frische Luft.
Wo der Fühler hängt
Das Thermo-Hygrometer hängt frei auf Höhe des Blattdachs, also an der Oberkante der Pflanzen, und wandert beim Wachsen mit. Nicht an die Lampe, nicht an die Zeltwand, nicht neben den Luftauslass oder einen Befeuchter. Ein Klimaregler oder Hygrostat, der den Rohrlüfter nach Temperatur oder Feuchte regelt, bekommt seinen Fühler an denselben Platz.
Nach Lichtende schaltet die Zeitschaltuhr den Rohrlüfter gleich mit ab, weil ohne Lampe ja keine Wärme mehr entsteht. Die Luft kühlt dann aber ab, die relative Feuchte klettert, und auf den Blättern bildet sich Tau, das Klima, in dem Grauschimmel loslegt. Lass die Abluft auch nachts laufen, am besten feuchtegesteuert, dann zieht sie nur an, wenn die Feuchte wirklich steigt.
Fragen aus dem Laden
Nachts steigt die Luftfeuchtigkeit, obwohl die Lampe aus ist. Ist das normal?
Kühlere Luft trägt weniger Wasserdampf, deshalb steigt der Prozentwert nach Lichtende, auch wenn kein Wasser dazukommt. Heikel wird es erst am Taupunkt, wenn die Blätter beschlagen. Abluft und Umluft laufen darum nachts weiter.
Reichen in einem kleinen Zelt für die Chili-Anzucht die Lüftungsschlitze, oder brauche ich Lüfter?
In einem kleinen Zelt steht ohne Ventilator feuchte Luft zwischen den Blättern, und bei etwa 18 bis 24 °C fühlt sich Grauschimmel darin wohl. Ein kleiner Clip-Ventilator gegen die Zeltwand ist deshalb das Minimum. Ein Rohrlüfter kommt dazu, sobald die Temperatur über 30 °C klettert oder die Luftfeuchte nach Lichtende über etwa 75 % rF hängen bleibt; in der Anzucht hältst du Chili dabei nachts über 20 °C.
Mein Zelt heizt bei geschlossener Tür schnell auf 28,5 °C, nach Lichtende fällt es nicht unter 18 °C. Ist das ein Problem?
Für Chili und Paprika liegen 28,5 °C im Wuchsbereich von 20 bis 30 °C, und 18 °C nachts sind angewachsenen Pflanzen recht; erst unter 15 °C leidet ihr Fruchtansatz, nur in der Anzucht bleibst du über 20 °C. Tomaten sehen das anders, die wollen rund 18 bis 20 °C im Tagesmittel, über 25 °C kostet die Wärme Wachstum und Früchte, und ab 32 °C bricht der Fruchtansatz ein. Mit Tomaten im Zelt regelst du die Abluft also schon bei 28,5 °C hoch; die 18 °C nachts passen für beide.
Kann ich das Zelt im Keller betreiben?
Im Keller läuft ein Zelt gut, solange die Abluft nach draußen geht oder der Raum regelmäßig frische Luft bekommt. Bläst der Rohrlüfter nur in den Keller, steigen dort Temperatur und Feuchte, und an kühlen Wänden beschlägt es; über 60 % rF sollte der Raum nicht kommen.
Salat und Chili im selben Zelt sind ein Spagat, der eine will es kühl, der andere warm. Am entspanntesten trennst du die Kulturen nach Wärmebedarf: Salat auf die kühle Fensterbank, das Zelt bleibt den Warmkulturen. Wer nur ein Zelt hat, fährt einen Mittelwert und akzeptiert, dass keiner der beiden ganz glücklich wird.
Mehr als diese Zahlen brauchst du zum Start nicht. Hängt der Fühler richtig und läuft die Abluft auch nachts, siehst du jeden Ausreißer, bevor die Pflanze ihn zeigt.




