Ernte & Lagern · Anleitung
Ernte trocknen und lagern: kühl, dunkel, langsam
Im dunklen Zelt bei 16 bis 20 °C trocknen, Bruchprobe am Zweig, dann im Glas bei 55 bis 65 % lagern. Küchenkräuter und Chili gehen schneller.

Der letzte Zweig ist geschnitten, die Gießkanne kannst du wegstellen. Ab heute bleibt die Lampe aus, und das Zelt bekommt eine neue Aufgabe: Es trocknet. Eilig ist dabei nichts. Tempo rächt sich später im Glas, denn was zu feucht hineinkommt, schimmelt.
- Getrocknet wird kühl, dunkel und langsam: bei 16 bis 20 °C und 55 bis 60 % Luftfeuchte, etwa 10 Tage.
- Das Zelt ist der Trockenraum: Lampe aus, Abluft und Aktivkohlefilter laufen weiter, der Clip-Ventilator bläst an den Zweigen vorbei.
- Trocken ist es, wenn ein dünner Zweig beim Biegen knackt und bricht.
- Im Glas soll ein kleines Hygrometer 55 bis 65 % zeigen; liegt es darüber, legst du alles wieder aus. In der ersten Woche lüftest du täglich.
- Küchenkräuter und Chili dürfen wärmer und schneller trocknen, auch im Dörrautomaten.
Das Zelt wird zum Trockenraum
Das leere Growzelt bringt das meiste schon mit: Es ist lichtdicht, hat eine Abluft und Stangen zum Aufhängen. Die Lampe bleibt aus, Abluft und Aktivkohlefilter laufen weiter. Den Clip-Ventilator stellst du auf die kleinste Stufe und drehst ihn zur Zeltwand. Bläst er direkt auf die Zweige, sind sie außen schnell trocken und innen noch feucht.
Das Ziel sind 16 bis 20 °C und 55 bis 60 % Luftfeuchte, abgelesen am Thermo-Hygrometer auf Höhe der Zweige. Frisch geerntet besteht eine Pflanze zu rund 80 % aus Wasser, lagerfähig ist sie bei rund 10 %. Dieses Wasser muss durch die Zeltluft: Der Clip-Ventilator, also die Umluft, nimmt es an den Zweigen auf, die Abluft trägt es hinaus. Läuft nur der Ventilator, steigt die Luftfeuchte im Zelt. Einen Regler für dieses Klima hast du nicht, nachhelfen kannst du trotzdem. Die Temperatur gibt der Raum vor, in dem das Zelt steht. Ist die Luft zu feucht, holst du die Feuchte mit mehr Abluft oder einem Luftentfeuchter heraus und hängst lockerer. Wärmer stellst du nicht, auch wenn es dann schneller ginge. Zu warm Getrocknetes altert später im Glas schneller.
Hängen oder aufs Netz
Ganze Zweige hängst du kopfüber an eine Leine, einen Bügel oder die Zeltstange, mit so viel Abstand, dass Luft um jeden streicht und sich nichts berührt. Eine große Pflanze teilst du vorher in einzelne Zweige, die trocknen gleichmäßiger als die Pflanze am Stück. Alles, was nicht mehr an einem Zweig hängt, legst du einlagig auf ein Trockennetz, ein hängendes Netz mit mehreren Etagen, und wendest es alle ein bis zwei Tage. Auf dem Netz geht es schneller als an der Leine; das Netz prüfst du deshalb schon nach zwei bis drei Tagen zum ersten Mal. Die Zelttür machst du in der ganzen Zeit nur kurz zum Nachsehen auf.
Schritt für Schritt
- Zelt leer räumen, Lampe aus, Abluft und Aktivkohlefilter laufen lassen, Clip-Ventilator auf kleinster Stufe zur Zeltwand drehen.
- Thermo-Hygrometer auf Höhe der Zweige hängen. Das Ziel sind 16 bis 20 °C und 55 bis 60 % Luftfeuchte; ist die Luft feuchter, hilft mehr Abluft oder ein Luftentfeuchter, nicht mehr Wärme.
- Zweige kopfüber mit Abstand aufhängen; alles ohne Zweig einlagig aufs Trockennetz legen und alle ein bis zwei Tage wenden.
- Bruchprobe machen: einen dünnen Zweig biegen. Fertig ist es, wenn er knackt und sauber bricht und sich außen alles trocken anfühlt. Biegt er sich, hängt alles weiter.
- Vom Zweig nehmen und locker in Gläser mit dichtem Deckel füllen, höchstens zu drei Vierteln, dazu ein kleines Hygrometer.
- Glas schließen und ablesen, sobald die Anzeige nicht mehr steigt: 55 bis 65 % sind das Ziel. Über 65 % kommt alles wieder heraus aufs Netz und trocknet weiter.
- In der ersten Woche jeden Tag lüften, anfangs ein- bis mehrmals für einige Minuten; danach zwei- bis dreimal je Woche, etwa vier Wochen lang.
- Gläser verschlossen in einen dunklen, kühlen Schrank stellen und einmal im Monat nach Beschlag, muffigem Geruch und Schimmel sehen.
Im Glas gleicht sich die Feuchte aus
Nach der Bruchprobe steckt im Inneren der Zweige noch Restfeuchte. Im geschlossenen Glas verteilt sie sich, und ein Teil geht in die Luft über dem Getrockneten. Diese Luft misst das kleine Hygrometer. Liegt die Anzeige in der Spanne, passt es. Über 65 % kann Schimmel wachsen, unter 55 % wird alles so spröde, dass es beim Anfassen bricht.
Das Nachreifen im Glas ist dieser Feuchteausgleich, und beim Lüften lässt du die Feuchte hinaus. Deshalb füllst du locker und nie bis zum Rand; in einem vollgestopften Glas gleicht sich nichts aus, und es gibt Druckstellen. Nimm ein Glas mit dichtem Deckel, keinen Plastikbeutel.
Ein Humidity-Pack hält im geschlossenen Glas eine feste Luftfeuchte. Für alles, was kühl und langsam getrocknet wurde, rate ich zum Pack mit 62 %, das liegt in der Spanne fürs Glas. Hinein kommt es erst, wenn das Glas von selbst in der Spanne bleibt, denn es ist eine Lagerhilfe und kein Trockner. Schreib das Datum aufs Glas und wechsle das Pack nach etwa drei Monaten; auffrischen lässt es sich nicht.
Sind die vier Wochen um, bleiben die Gläser zu. Licht, Luft und Wärme lassen Getrocknetes schneller altern. Ein dunkler Schrank schlägt deshalb das Regal am Fenster, und mehrere kleine Gläser schlagen das eine große, das ständig aufgeht.
Das Hygrometer im Glas steigt über 65 %. Dann kam alles zu früh hinein: Außen fühlte es sich trocken an, der Zweig bog sich aber noch. Nimm es wieder heraus und leg es einlagig aufs Netz, bis die Anzeige im Glas unter der Grenze bleibt. Liegt sie nur knapp darüber, reicht es, den Deckel einen halben bis ganzen Tag offen zu lassen. Sichtbar Verschimmeltes wirfst du komplett weg.
Küchenkräuter und Chili: wärmer und schneller
Basilikum, Oregano, Thymian oder Minze schneidest du kurz vor dem Aufblühen am Vormittag, Chili pflückst du reif, fest und voll ausgefärbt mit Stiel. Zum Putzen und Schneiden von Chili ziehst du Handschuhe an und wäschst dir danach die Hände, die Schärfe brennt auf Haut und Schleimhaut. An der Luft hängen Kräuter in kleinen, lockeren Bündeln im Schatten und brauchen eine Woche bis zu einem Monat. Weiche Blätter wie Basilikum und Minze schimmeln, wenn sie zu langsam trocknen; ins kühle Zelt gehören sie deshalb nicht. Chili trocknet an der Luft nur mit dünnfleischigen, schmalen Früchten und braucht dafür mehrere Wochen.
Schneller geht es im Dörrautomaten, und der bleibt diesen beiden vorbehalten. Kräuter trocknen darin bei 35 bis 46 °C und sind nach wenigen Stunden durch. Chili laufen bei 52 bis 57 °C und brauchen je nach Größe bis zu einem Tag; mach dabei das Fenster auf, es entsteht scharfer Dampf. Trocken ist ein Kräuterblatt, wenn es zerbröselt, und eine Chili, wenn sie hart ist und beim Biegen bricht.
Danach kühlt alles ganz ab, sonst schwitzt es im Glas. Dort schüttelst du 7 bis 10 Tage lang täglich und trocknest nach, sobald das Glas beschlägt. Für Küchenkräuter und Chili liegt die Grenze strenger, bei unter rund 60 % Luftfeuchte im Glas; das Pack mit 62 % passt für sie deshalb nicht. Beide verbrauchst du innerhalb eines Jahres.
Manche trocknen Kräuter im Backofen. Taugt das?
Nur als Notlösung für Küchenkräuter und Chili: niedrigste Stufe, die Tür mit einem Kochlöffel einen Spalt offen. Der Ofen braucht 2- bis 3-mal länger als ein Dörrautomat. Für den kühlen, langsamen Weg ist er zu warm.
- Lampe aus, Abluft und Aktivkohlefilter an, Clip-Ventilator auf kleinster Stufe zur Zeltwand
- Thermo-Hygrometer auf Höhe der Zweige, Temperatur und Luftfeuchte im Ziel
- Zweige mit Abstand gehängt, Netz einlagig belegt und alle ein bis zwei Tage gewendet
- Bruchprobe bestanden: dünner Zweig knackt und bricht
- Gläser höchstens zu drei Vierteln voll, Hygrometer drin, Anzeige in der Spanne
- Erste Woche täglich gelüftet, danach zwei- bis dreimal je Woche
- Pack erst hinein, wenn das Glas von selbst in der Spanne bleibt; Datum drauf
- Dunkel und kühl im Schrank, monatlich nachgesehen




