Klima & Luft · Grundlage
Aktivkohlefilter: Größe, Laufzeit, Wechsel
Wie Aktivkohle Geruch bindet, welchen Filterwert dein Lüfter braucht, was feuchte Luft mit der Kohle macht und woran du den Wechsel erkennst.
Du ziehst den neuen Aktivkohlefilter aus dem Karton, und im weißen Vlies sitzen schwarze Stellen. Das ist Kohlestaub vom Transport, dem Filter fehlt nichts. Der Staub zeigt dir aber, womit das Teil arbeitet: mit Aktivkohle, bei einem gängigen Filter mit 125 mm Anschluss sind es 2,6 kg. Wie viel Luft diese Kohle verträgt, wie lange sie durchhält und wann du sie ersetzt, hängt an wenigen Zahlen.
- Aktivkohle bindet Geruchsstoffe an ihrer inneren Oberfläche. Der Platz dort ist begrenzt; ist die Kohle beladen, kommt Geruch hinten heraus.
- Auf jedem Filter steht ein Filterwert in m³/h. Wähle den Filter so, dass sein Filterwert mindestens so groß ist wie die Luftleistung des Lüfters; der Anschlussdurchmesser allein sagt das nicht.
- Unter etwa 55 % Luftfeuchte bindet die Kohle am besten, ab etwa 60 % lässt sie nach, ab etwa 70 % ist die Geruchsbindung nicht mehr verlässlich.
- Ein Filter hält etwa 12 bis 18 Monate Betrieb. Das Zeichen für den Wechsel ist Geruch hinter dem Filter, wenn Unterdruck und Dichtheit stimmen.
- Der Filter gehört fest zur Abluft, spätestens ab Beginn der Blüte. Verzichtbar ist er nur bei geruchsarmen Kulturen wie Salat und Kräutern.
Kohle mit viel Fläche
Aktivkohle ist poröser Kohlenstoff, und die Poren machen die Fläche. Je nach Kohle kommen 300 bis 2 000 m² innere Oberfläche auf ein Gramm, vier Gramm haben etwa die Fläche eines Fußballfelds. An dieser Fläche lagern sich Geruchsstoffe aus der Luft an und bleiben dort; das Fachwort dafür heißt Adsorption. Staub ist nicht ihre Aufgabe. Den hält das Vorfiltervlies ab, der weiße Überzug außen um den Filter.
Die Aufnahme der Kohle ist begrenzt, mit jedem Betriebstag belegt sie sich weiter. Dass sie voll ist, merkst du erst am Geruch in der Abluft, eine Anzeige dafür hat der Filter nicht. Dieser Moment heißt Durchbruch.
Der Filter hängt spätestens ab Beginn der Blüte in der Abluft und bleibt dort. Weglassen kannst du ihn nur, wenn du geruchsarme Kulturen wie Salat und Kräuter ziehst.
Welcher Filterwert zu deinem Lüfter passt
Damit sich etwas anlagert, braucht die Luft Zeit im Kohlebett, der Schicht Aktivkohle im Filter. Viel braucht diese Kontaktzeit nicht, etwa 0,05 bis 0,2 s reichen. Mit jedem Kubikmeter, den der Lüfter mehr durchzieht, schrumpft sie aber. Darum trägt jeder Filter einen Filterwert, die Luftmenge in m³/h, bei der er am besten arbeitet. Der Filter mit den 2,6 kg Kohle hat einen Filterwert von 475 m³/h, daneben steht mit 620 m³/h eine größere Zahl. Bei manchen Filtern steht ein zweiter, höherer Wert für Umluft, also für den Betrieb im Kreis in einem geschlossenen Raum. Für die Abluft aus deinem Zelt gilt immer der Filterwert, die kleinere Zahl.
Wähle den Filter so, dass sein Filterwert mindestens so groß ist wie die Luftleistung des Lüfters. Der Anschlussdurchmesser muss gleich sein, über den Filterwert sagt er aber nichts. Fördert der Lüfter mehr, als der Filter verträgt, zieht die Luft zu schnell durch die Kohle, und es riecht. Dann nimmst du einen größeren oder längeren Filter.
Luft kostet der Filter auch. Neu und am passenden Lüfter nimmt er rund 15 bis 20 % der Luftmenge weg; in der Lüfterrechnung aus dem Artikel „Abluft auslegen“ steht er dafür mit einem Viertel Zuschlag. Ein alter, zugesetzter Filter bremst deutlich stärker.
Feuchte Luft belegt die Kohle
Wasser setzt sich an dieselben Stellen wie die Geruchsstoffe, und je feuchter die Luft ist, desto weniger Platz bleibt für sie. Die Grenzen aus der Box oben treffen genau die Phase, in der der Filter arbeiten muss. In der Blüte ist das Ziel 45 bis 60 % Luftfeuchtigkeit, mit 60 % als Obergrenze; was der Pflanze dann guttut, passt bis zu dieser Grenze auch zur Kohle. In den letzten ein bis zwei Wochen der Blüte, bei 40 bis 50 %, arbeitet die Kohle unter den besten Bedingungen. Im Wachstum darf die Luft feuchter sein, und die Kohle bindet dann schwächer. Dauerbetrieb bei etwa 70 % und mehr kostet sie Lebensdauer.
Nass wird Kohle auch über den Weg der Luft. Der Filter hängt im warmen Zelt, und die Abluft geht von dort ins Kühlere. Ziehst du dagegen kalte Luft durch den Filter oder führst die Abluft in einen wärmeren Raum, kann in der Kohle Kondenswasser entstehen. Feucht gewordene Kohle trocknet in trockener Luft und arbeitet dann wieder.
Wie lange ein Filter hält
Rechne mit etwa 12 bis 18 Monaten Betrieb. Viel Geruch, feuchte Luft, eine hohe Luftmenge, viele Betriebsstunden und Staub verkürzen die Zeit. Mehr Kohle verlängert sie, ein schwererer Filter hält bei gleicher Kohle länger als ein leichter.
An der Luftmenge drehst du selbst. Fahr den Lüfter nur so hoch, wie das Klima es braucht, denn bei halber Luftmenge hält die Kohle etwa doppelt so lang. Auch das Vlies hast du in der Hand. Es hält den Staub von der Kohle fern; ist es selbst verschmutzt, erhöht es den Widerstand und senkt die Luftmenge. Ein graues, staubiges Vlies wäschst oder tauschst du, je nach Bauart, und welche von beiden deine ist, sagt die Anleitung des Filters.
Schreib das Kaufdatum auf den Filter und leg nach 12 Monaten Ersatz bereit, dann erwischt dich der Wechsel nicht mitten in der Blüte. Der Ersatzfilter bleibt bis dahin trocken und luftdicht verpackt, denn Aktivkohle nimmt auch ohne Luftstrom Gerüche aus der Umgebung auf.
Wenn es hinter dem Filter riecht
Geruch in der Abluft ist das Zeichen für den Wechsel, der Kalender gibt nur den Rahmen. Es gibt aber Ursachen, bei denen die Kohle noch nicht am Ende ist, und die gehst du in dieser Reihenfolge durch.
- Sieh dir bei laufender Abluft die Zeltwände an. Ziehen sie leicht nach innen, stimmt der Unterdruck. Tun sie das nicht, geht Luft am Filter vorbei: Mach die Zuluft kleiner, und reicht das nicht, dreh den Lüfter höher, bis die Wände einziehen.
- Zieh die Schellen an Filter, Lüfter und Schlauch nach und sieh dir die Nähte am Zelt an. Auch hier findet Luft einen Weg am Filter vorbei.
- Lies die Luftfeuchte ab. Liegt sie in der Blüte anhaltend über 60 %, senkst du zuerst die Feuchte.
- Vergleich die Luftmenge mit dem Filterwert. Läuft der Lüfter darüber, regelst du ihn an der Lüftersteuerung herunter; langsamere Luft hat mehr Kontaktzeit.
Riecht es danach immer noch, ist die Kohle am Ende, und du tauschst den Filter.
Es riecht, die Zeltwände ziehen sauber ein, und du drehst den Lüfter trotzdem höher, damit mehr Luft durch den Filter geht. Schnellere Luft hat aber weniger Kontaktzeit, und die Kohle bindet schlechter als vorher. Regle herunter. Reicht die Luftmenge dann fürs Klima nicht mehr, vergleich den Filterwert mit der Luftleistung des Lüfters. Liegt er darunter, ist der Filter zu klein, und es braucht einen mit höherem Filterwert. Passt er, ist die Kohle am Ende.
Ich habe einen neuen Filter und trotzdem riecht es!
Bei einem neuen Filter liegt das meist an Überdruck im Zelt oder an Falschluft, die am Filter vorbeigeht. Das sind die ersten beiden Schritte oben: Zuluft kleiner, bis die Zeltwände leicht einziehen, dann Schellen und Nähte. Mehr Abluft hilft hier nur, solange der Unterdruck fehlt.
Kann ich meinen Filter selbst mit Kohle wieder befüllen?
Technisch geht das. Zu Hause wird das Kohlebett aber selten dicht genug, die Luft nimmt dann den Weg des geringsten Widerstands, und es riecht trotz frischer Kohle. Ich rate deshalb zum neuen Filter.




