Mo–Sa 12–20 Uhr

Zeiten & Anfahrt

Wasser · Grundlage

Kölner Leitungswasser: Härte, pH, Grundwert

Kölner Leitungswasser ist hart: 18,1 °dH linksrheinisch, 15,6 °dH rechts. Was Härte, Grund-EC und Hydrogencarbonat fürs Gießen bedeuten.

Inszenierte Visualisierung: Messbecher mit Leitungswasser, Messstift und Gießkanne neben einer Chili

Der Tontopf mit dem Basilikum steht seit dem Frühjahr auf der Fensterbank, und oben am Rand hat er inzwischen einen weißen Saum. Auf der Erde liegt eine helle Kruste, im Untersetzer klebt ein grauer Ring. Die Pflanze wächst, der Belag stört nur das Auge. Er kommt mit jeder Kanne aus dem Hahn: Kalk, der beim Verdunsten zurückbleibt. Wie viel davon im Kölner Wasser steckt und was das beim Düngen ausmacht, hängt an drei Dingen, der Härte, dem Grund-EC und dem Puffer.

Kurz gesagt

  • Kölner Leitungswasser ist in beiden Netzen hart, linksrheinisch noch ein Stück härter als rechts.
  • Das Wasser bringt von sich aus schon Salze mit, und die zählen beim Düngen mit. Wer einen EC-Wert anpeilt, rechnet sie dazu.
  • Der pH-Wert liegt über dem, was Tomate und Kräuter im Topf mögen, und ein Puffer hält ihn dort fest. Darum misst du den pH-Wert erst, wenn der Dünger in der Kanne ist.
  • Calcium und Magnesium kommen aus dem Hahn mit, CalMag ist hier meist überflüssig. Abstehen lassen bringt dem Wasser Raumtemperatur; gechlort wird in Köln nicht.

Hart heißt viel Calcium und Magnesium

Der Kalk im Wasser ist gelöstes Calcium und Magnesium, und die Pflanze frisst beides. Je mehr davon im Wasser steckt, desto härter nennt man es. Die Gesamthärte steht in °dH, Grad deutscher Härte, und teilt sich in drei Stufen.

HärtebereichCalciumcarbonat in mmol/lin °dH
weichunter 1,5unter 8,4
mittel1,5 bis 2,58,4 bis 14
hartüber 2,5über 14

Köln hat zwei getrennte Trinkwassernetze. Linksrheinisch, mit Pulheim, kommt das Wasser aus den Wasserwerken Hochkirchen und Weiler, rechtsrheinisch aus Höhenhaus und Zündorf. Beide Netze liegen mit 15,6 bis 18,1 °dH über der 14-°dH-Marke, das linke Ufer am oberen Ende. An welchem Netz dein Hahn hängt und was gerade drin ist, steht in der Trinkwasseranalyse von RheinEnergie; sie kommt jedes Jahr neu, einmal im Jahr nachschauen reicht. Kochsalz spielt bei der Kölner Härte keine Rolle, Natrium und Chlorid sind niedrig.

Die Kölner Werte im Überblick, Jahresmittel 2025, jeweils linksrheinisch · rechtsrheinisch:

18,1 · 15,6 °dHGesamthärte, beide Netze im Härtebereich „hart“
784 · 630 µS/cmLeitfähigkeit bei 25 °C; auf dem EC-Messgerät 0,78 · 0,63 mS/cm
7,30 · 7,33pH-Wert
106 · 88 mg/lCalcium
14 mg/lMagnesium, in beiden Netzen gleich
280 · 242 mg/lHydrogencarbonat, der pH-Puffer des Wassers

Grund-EC: was vor dem Düngen schon im Wasser ist

Hältst du das EC-Messgerät in ein Glas Leitungswasser, zeigt es in Köln je nach Netz 0,63 bis 0,78 mS/cm, bevor ein Tropfen Dünger drin ist. Das ist der Grund-EC, die Salzfracht aus Calcium, Magnesium und dem Rest, die der Hahn mitliefert. Die Düngerflasche zieht ihre Grenze an genau dieser Stelle: Normales Wasser liegt für sie bei 0,4 bis 0,5 mS/cm, Köln liegt mit beiden Netzen darüber. Die Härtestufe aus der Analyse und der Grund-EC vom eigenen Messgerät zeigen hier in dieselbe Richtung.

Steht auf deiner Flasche eine Dosis in ml/l, gießt du danach und misst anschließend, was in der Kanne herausgekommen ist; der Grundwert steckt dann automatisch mit drin. Arbeitest du mit einem Düngeschema, das einen EC für die fertige Lösung vorgibt, zählt der Grundwert mit: Linksrheinisch sind 0,78 mS/cm schon belegt, und der Dünger füllt nur den Rest bis zum Zielwert auf.

Häufiger Fehler

So entsteht die Nährlösung, die stärker ist als geplant. Der Dünger ist nach Schema abgemessen, und das Messgerät zeigt hinterher trotzdem deutlich mehr, weil der Grund-EC des Leitungswassers obendrauf kam. Misst du das reine Leitungswasser einmal und rechnest den Wert beim Anmischen mit, passt die Kanne zum Schema.

Hydrogencarbonat: der Puffer hinter dem pH-Wert

Der pH-Wert liegt in beiden Netzen bei 7,3. Erde mit organischem Dünger mag 6,2 bis 6,5, und Nährlösungen laufen noch ein Stück tiefer; Kölner Wasser liegt also drüber. Dass es dort so hartnäckig bleibt, liegt am Hydrogencarbonat, dem Puffer im Wasser. Er fängt Säure ab, aus dem Dünger wie aus dem Wurzelraum, und hält den pH-Wert fest. Der Anteil der Härte, der an diesem Puffer hängt, heißt Karbonathärte (KH); in Köln macht sie den größten Teil der Gesamthärte aus.

Beim Ansäuern merkst du den Puffer sofort. Die ersten Tropfen pH-Minus tun scheinbar nichts, dann sinkt der Wert zügig, und sobald der Puffer aufgebraucht ist, fällt er steil ab. Darum kommt erst der Dünger in die Kanne, dann der Stift, und pH-Minus geht tropfenweise hinein. Im Topf arbeitet der Puffer über Wochen weiter: Mit jedem Gießen hebt hartes Wasser den Substrat-pH ein Stück. Der Drain, das Wasser, das unten aus dem Topf läuft, zeigt dir, in welche Richtung es gerade geht.

Häufiger Fehler

Korrigierst du den pH-Wert, ohne auf den Puffer zu schauen, bekommst du Sprünge. Osmose- und Regenwasser haben kaum Hydrogencarbonat, und dann springt der pH-Wert bei jeder Düngergabe hin und her. Darum bleibt beim Enthärten immer ein Rest stehen, mindestens 5 °dKH, und der Weg dahin ist das Mischen mit Leitungswasser.

Kalk, Chlor und das Abstehen

Zurück zum weißen Saum am Topf. Kalk fällt aus, wenn Wasser verdunstet oder heiß wird; im kalten Wasser scheidet sich kaum etwas ab, nennenswert erst über 60 °C. In der Gießkanne tut sich über Nacht deshalb kaum etwas, und der Kalk landet beim Verdunsten auf der Erde und am Topfrand, beim Sprühen als Kalkflecken auf den Blättern. Die Kruste auf der Erde nimmst du ab; ist der ganze Ballen verkalkt, topfst du um.

Chlor ist in Köln kein Thema. Das Wasser kommt aus Grundwasser, zum Teil mit Uferfiltrat vom Rhein angereichert, und braucht keine Desinfektion. Was das Abstehen wirklich bringt, ist Temperatur: Ab Wasserwerk hat das Wasser rund 13 °C, und empfindliche Zimmerpflanzen mögen keinen eiskalten Guss. In der Kanne kommt es auf Raumtemperatur, mehr steckt hinter dem Abstehen nicht.

Tipp vom Tresen

Ich rate, die Gießkanne gleich nach dem Gießen wieder zu füllen. Bis zur nächsten Runde hat das Wasser Raumtemperatur, ohne dass du daran denken musst. Zum Besprühen von Kräutern und Zimmerpflanzen taugt das harte Wasser dagegen wenig, es trocknet als Kalkflecken auf den Blättern ab; für die Sprühflasche nimmst du weiches Wasser.

Mischen mit Osmosewasser: wann und wie viel

Osmosewasser kommt aus der Umkehrosmose fast ohne Salze, und damit lässt sich hartes Wasser weicher mischen. Das Ziel beim Mischen ist ein EC von 0,4 mS/cm, der untere Rand dessen, was die Düngerflasche als normales Wasser ansieht. Rechnet man das Osmosewasser mit EC nahe 0, kommt für Köln heraus: linksrheinisch etwa halb und halb, rechtsrheinisch etwa zwei Teile Leitungswasser auf einen Teil Osmosewasser. pH-Wert und EC der fertigen Mischung misst du trotzdem nach.

Nötig ist das vor allem für kalkempfindliche Zimmerpflanzen. Tomate und Paprika sind mäßig kalktolerant und vertragen Leitungswasser gut. Für Tomate und Chili ist das Calcium im Wasser sogar ein Pluspunkt: Fehlt es, kann es im Fruchtansatz knapp werden, und Blütenendfäule ist genau so ein Calciumthema. Hobbygärtner gleichen das bei reinem Regen- oder Osmosewasser mit Kalk oder CalMag aus; Leitungswasser anteilig zu nehmen ist der einfachste Weg.

Dasselbe Prinzip entscheidet beim Dünger. Viele Düngerlinien gibt es in einer Variante für hartes und einer für weiches Wasser, und CalMag ist als Calcium-Magnesium-Zusatz für Osmose- und weiches Wasser gedacht. Kölner Wasser liefert Calcium und Magnesium frei Haus. Ein Weich-Wasser-Dünger oder ein CalMag-Zusatz legt da noch einmal obendrauf, was schon da ist. Mit Kölner Wasser nimmst du die Hart-Wasser-Variante und lässt CalMag im Regal, und der Basilikum auf der Fensterbank bekommt seine Kanne wie gehabt, Kalkrand inklusive.

Geprüft am 9. Oktober 2026Zahlen und Faustwerte liest ein Recherche-Agent gegen; Unbelegtes ist im Text markiert. Fehler gefunden? Sag uns Bescheid, wir prüfen nach.