Messen & Regeln · Anleitung
pH und EC messen
pH und EC messen, kalibrieren und korrigieren: was die zwei Werte sagen, was Kölner Leitungswasser mitbringt und wie die Elektrode lange hält.
Du hältst den Teststreifen gegen die Lampe und rätst: irgendwas zwischen 6 und 7, je nachdem, wie du ihn kippst. Mehr gibt ein Streifen nicht her, seine Farbe wechselt mit dem Licht, und für eine Nährlösung ist das zu grob. Ob die Tomate ihren Dünger aufnehmen kann, hängt an zwei Zahlen, dem pH-Wert und dem EC-Wert, und die liest du nur mit einem digitalen Stift sauber ab.
- Nährlösung ohne Erde hältst du bei pH 5 bis 6, am besten um 5,8. Erde puffert selbst, Hydro und Kokos nicht.
- Der EC-Wert in mS/cm zeigt, wie stark die Lösung gesalzen ist, Dünger und Leitungswasser zusammen.
- Kölner Leitungswasser bringt je nach Rheinseite 0,63 bis 0,78 mS/cm und pH 7,3 mit (Jahresmittel 2025) und schiebt den pH immer wieder nach oben.
- Reihenfolge: kalibrieren, rühren, messen, erst den EC einstellen, dann den pH.
- Lagere die pH-Elektrode feucht in Aufbewahrungslösung und kalibriere sie mindestens monatlich.
Was die zwei Zahlen sagen
Der pH-Wert sagt, ob eine Lösung sauer oder basisch ist; 7 ist die Mitte. Für die Wurzel entscheidet er, welche Nährstoffe sie ziehen kann. Unter pH 5,5 kommen Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium schlechter an; Eisen, Mangan, Kupfer und Zink löst die Wurzel im sauren Bereich gut und im basischen Bereich deutlich schlechter. Ein Nährstoffmangel bei vollem Düngertank ist darum oft ein pH-Problem. Für Nährlösungen ohne Erde gilt pH 5 bis 6 in der Lösung, damit die Wurzelzone bei 6 bis 6,5 landet.
Der EC-Wert ist die Leitfähigkeit der Lösung in mS/cm oder µS/cm; 1 mS/cm sind 1000 µS/cm. Er zählt alle gelösten Salze zusammen, den Dünger genauso wie den Kalk aus der Leitung, und unterscheidet dabei nicht zwischen Stickstoff und Calcium. Zu hoch heißt Überdüngung, zu niedrig heißt Hunger. Zeigt dein Gerät ppm, rechnet es nur um: 100 µS/cm sind bei Faktor 0,5 genau 50 ppm. Als Orientierung für Hydro-Nährlösung: Basilikum 1,0 bis 1,6 mS/cm, Salat 1,2 bis 1,8 mS/cm, Petersilie 1,8 bis 2,2 mS/cm, Tomate 2,0 bis 4,0 mS/cm.
Kölner Leitungswasser als Ausgangswert
Dein Dünger setzt also je nach Rheinseite auf 0,63 bis 0,78 mS/cm auf, rund 315 bis 390 ppm bei Faktor 0,5. Miss das reine Wasser einmal, dann weißt du, was der Dünger wirklich beisteuert. Dazu kommt das Hydrogencarbonat, der Anteil, der das Wasser hart macht, in Köln 242 bis 280 mg/l. Es schiebt den pH auch nach dem Einstellen wieder nach oben; bei so hartem Wasser prüfst du ihn deshalb öfter, in Hydro täglich.
Schritt für Schritt: kalibrieren, messen, korrigieren
- Eichlösung bereitstellen: pH 7,0 und pH 4,0, dazu die EC-Standardlösung deines Geräts (meist 1413 µS/cm, bei manchen Stiften 2,77 mS/cm), alle bei der Temperatur der späteren Probe.
- Je eine kleine Menge Eichlösung in ein sauberes Gefäß gießen, nie in der Flasche messen, Rest wegschütten, nie zurückgießen.
- pH kalibrieren: Kappe ab, Spitze abspülen, in pH 7,0 tauchen, stabile Anzeige abwarten, bestätigen; abspülen, dann pH 4,0 genauso. Immer 7,0 zuerst.
- EC prüfen: Sonde abspülen, in die Standardlösung tauchen, mit dem Sollwert vergleichen; weicht sie ab, erst reinigen, dann kalibrieren.
- Nährlösung anrühren: alle Dünger zugeben, gut umrühren, einige Minuten warten, kleine Menge abfüllen.
- Messen: Sonde eintauchen, leicht bewegen, warten, bis die Anzeige steht. EC und Temperatur notieren; das Gerät rechnet auf 25 °C um, die Leitfähigkeit steigt um rund 2 % je °C.
- Erst den EC einstellen: zu hoch, dann mit Wasser verdünnen; zu niedrig, dann Konzentrat nachlegen. Wieder rühren, wieder messen.
- Dann den pH korrigieren: pH-Minus bei zu hohem Wert, pH-Plus bei zu niedrigem, nie pur in den Tank, sondern eine kleine Dosis erst in einen Becher Wasser. Rühren, einige Minuten warten, nachmessen, wiederholen, bis du im Ziel bist.
- Bei Kokos nach dem Gießen den Drain auffangen, das Wasser, das unten aus dem Topf läuft, und mit dem Gießwert vergleichen. Er zeigt nur die Richtung, nicht die Wurzelzone; liegt sein EC deutlich darüber, hilft Spülen mit angesäuertem Wasser bei pH 5,8.
pH-Minus ist Säure, pH-Plus ist Lauge, und konzentriert hat beides nichts auf der Haut und erst recht nichts im Auge zu suchen. Zieh Handschuhe und Schutzbrille an, kipp das Konzentrat immer ins Wasser und nie Wasser ins Konzentrat. Spritzer auf der Haut spülst du mit viel Wasser ab; trifft es ein Auge, mehrere Minuten spülen und zum Arzt. Gib die beiden Mittel nie abwechselnd in dieselbe Lösung; wer überschießt und zurückrudert, hat am Ende Salz im Tank und keinen stabilen pH. Setz die Lösung dann lieber neu an.
Die Anzeige wandert, braucht ewig, und nach dem Kalibrieren stimmt sie immer noch nicht. Dahinter steckt oft ein Stift, der trocken lag oder in destilliertem Wasser stand. Beides laugt die Glasspitze aus, danach reagiert sie träge. Halt die Kappe immer mit Aufbewahrungslösung gefüllt. Eine trockene Elektrode wässerst du mindestens 1 h; ganz genau wird sie danach nicht mehr.
Schreib das Öffnungsdatum auf die Flasche. Eichlösung pH 4,0 hält nach dem Öffnen 3 bis 6 Monate, pH 7,0 und 10,0 nur 1 bis 3 Monate, weil sie CO₂ aus der Luft aufnehmen. Alte Lösung zeigt einen anderen Wert als aufgedruckt, und dann kalibrierst du dein Gerät sauber auf einen falschen Punkt.
Pflege der Elektrode
Nach jeder Messung spülst du die Elektrode ab und wischst die Glasmembran nie trocken. Sitzt Belag drauf, stell sie 15 bis 30 min in Reinigungslösung und danach mindestens 1 h in Aufbewahrungslösung. So hält eine pH-Elektrode etwa 1 bis 2 Jahre bei Proben um 25 °C; 25 °C mehr halbieren die Lebensdauer. Die EC-Sonde kommt werkskalibriert; reinige sie monatlich, Belag ist dort die häufigste Fehlerquelle.
Rhythmus
Den pH-Stift kalibrierst du mindestens monatlich, bei viel Gebrauch oder Messungen in Erde wöchentlich. In Hydro prüfst du pH und EC täglich zur selben Tageszeit und setzt die Nährlösung alle zwei Wochen komplett neu an. In Erde fängt das Substrat kleine Ausreißer selbst ab.
Kann ich Kölner Leitungswasser für Hydro nehmen?
Mit Messgerät schon. Es bringt je nach Rheinseite 0,63 bis 0,78 mS/cm und pH 7,3 mit, dazu viel Hydrogencarbonat. Rechne den Grund-EC in dein Ziel ein und prüf den pH täglich, weil er wieder steigt.
- Reines Leitungswasser einmal gemessen: EC und pH notiert
- Eichlösungen frisch, Öffnungsdatum drauf, Temperatur wie die Probe
- pH kalibriert: zuerst 7,0, dann 4,0, dazwischen abgespült
- Nach dem Düngen gerührt, Minuten gewartet, dann gemessen
- Erst EC, dann pH, verdünnt und in kleinen Dosen, mit Handschuhen und Brille
- Elektrode abgespült, nicht gewischt, Kappe mit Aufbewahrungslösung gefüllt
- In Hydro täglich messen und alle zwei Wochen neu ansetzen, Stift monatlich kalibrieren




