Wasser · Anleitung
Richtig gießen: wann, wie viel
Gießen nach Topfgewicht und Fingerprobe statt nach Kalender: wann der Topf Wasser braucht, wie viel in Erde und Kokos, was bei Staunässe hilft.
Samstag ist Gießtag: Kanne füllen, einmal an allen Töpfen vorbei, jeder bekommt dasselbe. Der eine Topf steht da noch nass vom letzten Mal, der andere ist seit Tagen leer. Bequem ist der feste Tag, nur richtet sich keine Pflanze danach. Ob ein Topf Wasser braucht, zeigen dir sein Gewicht und die Erde ein paar Zentimeter unter der Oberfläche.
- Der Gießrhythmus hängt an Pflanze, Licht, Wärme, Topf und Substrat; ein fester Wochentag passt deshalb selten.
- Gießzeit ist, wenn die Erde an der Fingerspitze trocken ist und ein kleiner Topf sich leicht anfühlt.
- Dann gießt du durchdringend, bis unten Wasser herausläuft, und leerst den Untersetzer spätestens nach einer Stunde.
- Kokos bekommt öfter Wasser als Erde, und jedes Mal läuft ein Teil unten wieder heraus, der Drain.
- Welkt die Pflanze bei nasser Erde, gießt und düngst du nicht, bis der Ballen abgetrocknet ist.
Woran du die Gießzeit erkennst
Wie schnell ein Topf leer ist, entscheiden der Durst der Pflanze und der Standort mit Licht, Wärme und Luftbewegung, dazu Topfgröße, Topfmaterial und Substrat. Kleine Töpfe, Tontöpfe und stark durchwurzelte Ballen brauchen häufiger Wasser, große Töpfe und Kunststoff seltener. Eine ausgewachsene Tomate im 10-Liter-Topf will an heißen Tagen täglich gegossen werden.
Drei Hinweise siehst und hörst du von außen: Das Substrat ist heller als nach dem Gießen, die obersten 1 bis 2 cm sind abgetrocknet, und ein Tontopf klingt bei der Klopfprobe hell. Alle drei sagen dir, dass es sich lohnt nachzusehen. Mehr sagen sie nicht, denn die Oberfläche trocknet durch den Luftkontakt am schnellsten, während der Ballen darunter noch nass sein kann. Die Entscheidung trifft die Fingerprobe: Steck den Finger etwa 3 bis 5 cm tief in die Erde, also tiefer, als die trockene Schicht reicht. Ist die Erde an der Fingerspitze trocken, gießt du.
Bei kleinen Töpfen kommt das Topfgewicht dazu, das genaueste Zeichen ohne Gerät. Heb den Topf direkt nach dem Durchgießen an und merk dir, wie schwer er ist. Kleine Anzuchttöpfe kannst du auch wiegen. In Kokos ist Gießzeit, wenn sich der Topf etwa halb so schwer anfühlt, und leichter lässt du ihn nicht werden. In Erde reicht der Vergleich leicht gegen schwer. Einen großen Kübel hebst du nicht mehr sinnvoll an, dort zählen Finger und Substratfarbe.
Ein Feuchtemesser, der Messfühler zum Einstecken, nimmt dir die Fingerprobe nicht ab. Dünger und Substratart verfälschen seine Anzeige.
Eine Gießrunde von Hand
- Füll die Kanne vorher, damit das Wasser Raumtemperatur hat, etwa 17 bis 22 °C. Eiskaltes Wasser direkt aus der Leitung setzt den Wurzeln zu.
- Steck den Finger in die Erde und heb kleine Töpfe an. Leicht und an der Fingerspitze trocken heißt gießen, schwer und feucht heißt warten.
- Gieß langsam von oben auf die Erde, bis zum Gießrand, und lass Blätter und Blüten trocken; stundenlang nasses Tomatenlaub fördert Pilzkrankheiten. Läuft das Wasser am Rand durch, gieß in zwei Durchgängen, damit es einzieht.
- Gieß in Erde durchdringend, bis unten Wasser erscheint. Bei einem abgetrockneten Topf sind das etwa 20 bis 30 % des Topfvolumens, im 10-Liter-Topf also 2 bis 3 l.
- Gieß in Kokos weiter, bis von der Gießmenge 10 bis 20 % als Drain unten angekommen sind. Bei 1 l aus der Kanne stehen dann 100 bis 200 ml im Untersetzer. Dieser Drainanteil verhindert, dass sich Salze im Substrat anreichern.
- Lass den Topf abtropfen und leer dann Untersetzer und Übertopf, spätestens nach einer Stunde.
Kokos gibt Wasser schneller wieder ab als Torf. Im Sommer kann ein vergessener Tag reichen, darum schaust du dort täglich nach dem Gewicht und gießt öfter als in Erde. Über die Substrate hinweg liegt eine Gabe als Faustwert bei etwa 10 bis 30 % des Topfvolumens, je nachdem, wie viel Wasser das Substrat hält, gerechnet für einen Topf, dessen Vorrat etwa zur Hälfte verbraucht ist.
Auf dem Balkon und am sonnigen Fenster gießt du am frühen Vormittag oder späten Nachmittag, nicht in der prallen Mittagssonne. Schaffst du das tägliche Gießen bei Fruchtgemüse im Topf nicht, ist automatische Bewässerung der nächste Schritt.
Fang bei Jungpflanzen mit einem kleinen Topf an, als Faustregel etwa 3 l je 20 cm Pflanzenhöhe, und topf später schrittweise um. Im großen Topf sitzt die kleine Wurzel in viel Substrat, das sie nicht leer trinkt, und das bleibt lange nass. Zum kleinen Topf gehören kleine Gaben: Jungpflanzen gießt du sanft, wenig und dafür regelmäßig, sodass das Substrat feucht bleibt, aber nicht nass. In nassem Substrat drohen Umfallkrankheiten und lange, weiche Triebe.
Zu nass, zu trocken: was du dann tust
Übergießen passiert aus Fürsorge. Du gießt nach Kalender oder jeden Tag ein bisschen, mehr als die Pflanze verbraucht, und das Substrat trocknet zwischen den Gaben nie ab. Du erkennst es an dunkler, schmieriger Erde, Trauermücken und gelben, fallenden Blättern. Hängt die Pflanze trotz nasser Erde, bekommt sie kein Wasser und keinen Dünger, bis der Ballen abgetrocknet ist und sie sich erholt hat. Sind die Wurzeln schon braun und faul, ist sie nicht mehr zu retten.
Derselbe tägliche Schluck kann auch anders ausgehen. Ist er so klein, dass unten nie Wasser ankommt, bleibt der untere Ballen trocken, und ohne Drain sammeln sich Salze im Topf. Braune Blattspitzen und eine weiße Kruste am Erdrand zeigen das an. In beiden Fällen hilft dasselbe: seltener gießen und dann durchdringend. Hast du lange ohne Drain gegossen, spülst du den Topf alle 4 bis 6 Monate mit mindestens dem doppelten Topfvolumen durch.
Staunässe kann auch am Topf liegen. Fehlt das Abzugsloch, steht Wasser unbemerkt im Übertopf oder ist das Substrat verdichtet, bleibt der Ballen unten nass, egal wie vorsichtig du gießt. Dagegen helfen ein Topf mit Abzugslöchern, am Boden eine Drainageschicht, etwa aus Blähton, und ein Substrat, das locker bleibt und nicht zusammensackt. Wasser im Untersetzer saugt der Ballen wieder auf und steht dann unten dauerhaft nass, deshalb kippst du es spätestens nach einer Stunde weg. Stehen lassen darfst du einen Rest nur an sehr heißen Tagen bei großen, durstigen Pflanzen, die ihn schnell verbrauchen.
Ist der Ballen einmal ganz ausgetrocknet, löst er sich vom Topfrand, und das Wasser läuft außen vorbei. Tauch den Topf dann, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen, oder gieß zweimal mit 30 Minuten Pause. Danach tropft er ganz ab.
Erst gießen, wenn die Blätter hängen?
Nein, darauf wartest du besser nicht. Eine kurze Trockenheit verträgt die Pflanze zwar, aber hängende Blätter sind kein verlässliches Durstzeichen. Bei nasser Erde kann Welken ein Wurzelschaden durch zu viel Wasser sein, und dann macht die nächste Kanne es schlimmer. Fühl deshalb erst mit dem Finger nach.
Taugt ein Gießanzeiger?
Der Steckanzeiger mit Farbwechsel zeigt nur trocken oder feucht und nicht, was deine Pflanze gerade braucht. Er reagiert außerdem träge: Bei einem gängigen Anzeiger mit Messvlies dauert es nach dem Gießen etwa 1 bis 2 Stunden bis zum Farbwechsel. Als Erinnerung ist er brauchbar, die Fingerprobe ersetzt er nicht.
Geht Gießen von unten?
Ja, du stellst den Topf dazu in eine Schale mit Wasser und lässt ihn sich vollsaugen. Sinnvoll ist das, wenn die Erdoberfläche trocken bleiben soll, zum Beispiel bei Trauermücken. Von oben lässt sich die Menge besser dosieren, und bei Kühle bleiben die Wurzeln in der Schale schnell zu nass.
- Erde an der Fingerspitze trocken, nicht nur obenauf
- Kleiner Topf angehoben: deutlich leichter als nach dem Gießen
- Wasser in der Kanne hat Raumtemperatur
- Durchdringend gegossen, bis unten Wasser kam; Kokos mit Drain
- Blätter und Blüten sind trocken geblieben
- Untersetzer und Übertopf spätestens nach einer Stunde geleert




