Pflanzenschutz & Pflege · Problem lösen
Spinnmilben, Thripse, Blattläuse erkennen
Helle Punkte, Silberflecken oder klebrige Triebe: So unterscheidest du Spinnmilben, Thripse und Blattläuse und wählst den passenden Nützling.

Unter der Lampe fällt ein Blatt auf, das matter wirkt als seine Nachbarn. Aus der Nähe sind es lauter helle Pünktchen, wie mit einer Nadel getupft. Die Hand geht jetzt fast von selbst zur Düngerflasche. Dreh vorher das Blatt um und sieh dir die Unterseite mit der Lupe an. Bewegt sich dort etwas, klebt oder glänzt es, sitzt einer von drei Saugern an der Pflanze, und das Schadbild verrät dir, welcher.
- Spinnmilben, Thripse und Blattläuse sitzen auf der Blattunterseite oder in der Triebspitze; oben siehst du nur den Schaden.
- Die Spinnmilbe hinterlässt feine helle Punkte und später Gespinst, der Thrips silbrige Flecken mit dunklen Kottröpfchen, die Blattlaus klebrige Blätter und dichte Kolonien.
- Zum Bestimmen reichen eine 10-fach-Lupe und ein weißes Blatt Papier.
- Den Anfang machen drei Handgriffe: absondern, abbrausen, abschneiden. Nützlinge wählst du nach Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Beleuchtungsdauer.
- In der Blüte ist die Luft den meisten Raubmilben zu trocken. Such deshalb schon im Wachstum und handle beim ersten Fund.
Wer da saugt
Die Gemeine Spinnmilbe ist etwa 0,5 mm groß, grünlich bis hellbraun, mit zwei dunklen Flecken auf dem Rücken. Mit bloßem Auge siehst du höchstens winzige Punkte, die sich bewegen, die Eier gar nicht. Die Milbe saugt einzelne Zellen aus, darum entstehen oben auf dem Blatt gelbliche Sprenkel. Später werden sie braun, das Blatt färbt sich bronzefarben und fällt ab. Gespinst zieht von den dreien nur sie, erst als Fäden auf der Blattunterseite, am Ende als dichtes Gewebe um die jüngsten Triebe. Warme, trockene Luft und Pflanzen mit Trockenstress kommen ihr entgegen.
Thripse sind schlanke Insekten unter etwa 1,3 mm, gelblich bis braunschwarz, die Larven heller und ohne Flügel. Das Schadbild sind helle, silbrig schimmernde Flecken und winzige schwarze Kottröpfchen auf der Unterseite; junge Blätter verformen sich. Die Eier stecken im Blattgewebe, die Larven sitzen am Blatt, die Puppen liegen unbeweglich im Substrat. Ein einzelner Handgriff am Blatt erwischt deshalb nie alle Stadien, und weil die Tiere so klein sind und versteckt leben, fällt der Befall oft spät auf.
Blattläuse sind mit 1,5 bis 3,5 mm die größten der drei, meist grün, auch bräunlich, rot oder schwarz. Sicher erkennst du sie an den zwei röhrenartigen Fortsätzen am Hinterleib. Dicht an dicht sitzen sie an jungen Trieben und Blattunterseiten und scheiden klebrigen Honigtau aus, auf dem schwarzer Rußtau wächst. Auf den Blättern unter der Kolonie liegen ihre weißen Häutungsreste. Weiches Gewebe nach viel Stickstoff zieht sie an.
| Das siehst du | Das ist es | Erster Handgriff |
|---|---|---|
| Oben feine helle Punkte, auf der Unterseite winzige Punkte, die laufen | Spinnmilbe, der Befall beginnt | Pflanze absondern, Blattunterseiten abbrausen |
| Die Punkte werden braun, das Blatt bronzefarben; auf der Unterseite feine Fäden | Spinnmilbe, der Befall nimmt zu | Abbrausen, stark befallene Blätter abschneiden |
| Dichtes Gewebe um die Triebspitzen | Spinnmilbe, starker Befall | Triebspitzen abschneiden und aus dem Raum bringen |
| Oben silbrig schimmernde Flecken, auf der Unterseite dunkle, lackartige Pünktchen | Thrips, die Pünktchen sind sein Kot | Pflanze absondern, Blautafel aufhängen |
| Junge Blätter verformt; schlanke Tiere fallen beim Ausschütteln auf weißes Papier | Thrips an jungem Gewebe | Verformte Blätter abschneiden |
| Blätter kleben und glänzen, auf dem klebrigen Belag sitzt ein schwarzer | Honigtau der Blattlaus, auf ihm wächst Rußtau | Triebspitzen und Blattunterseiten absuchen |
| Dichte Kolonie an Triebspitze oder Blattunterseite, Blätter eingerollt | Blattlaus | Abbrausen, eingerollte Blätter abschneiden |
| Ameisen laufen an der Pflanze | Hinweis auf Honigtau und Blattläuse | Triebspitzen absuchen |
| Helle Punkte, aber auch mit der Lupe sitzt auf der Unterseite nichts | Kein Sauger am Blatt | In einer Woche noch einmal mit der Lupe nachsehen |
Warum Abwarten nichts bringt
Im kühlen Zimmer mit 18 °C wird aus einem Spinnmilben-Ei in etwa drei Wochen ein erwachsenes Tier, im warmen Zelt geht es deutlich schneller. Thripse sind bei 25 °C in rund zwei Wochen fertig. Blattläuse bringen ohne Paarung lebende Junge zur Welt, und in der Wärme bekommt so ein Jungtier nach sieben bis acht Tagen selbst Nachwuchs.
Auf das Gespinst warten, weil erst das nach Spinnmilbe aussieht. Gespinst zeigt einen starken Befall an, und in einem starken Herd hilft nur noch eine sehr hohe Zahl Raubmilben. Der Zeitpunkt zum Handeln sind die ersten hellen Punkte; ab da gehst du die Schritte der Reihe nach durch.
So gehst du vor
- Ansehen: Such mit der Lupe die jüngsten Triebe und die Blattunterseiten ab. Du suchst Tiere, Eier, Gespinst, schwarze Pünktchen und klebrigen Belag.
- Klopfprobe: Schüttel einen Trieb über einem weißen Blatt Papier aus. Was herunterfällt und losläuft, ordnest du unter der Lupe zu; rundlich mit acht Beinen ist eine Milbe, schlank ein Thrips.
- Absondern: Nimm die befallene Pflanze aus dem Zelt und stell sie getrennt von den anderen auf, bis sie frei ist. Rechne mit mehreren Wochen.
- Abbrausen: Dusch robuste Pflanzen mit kräftigem Wasserstrahl ab, vor allem die Blattunterseiten. Den Druck steigerst du langsam, die Erde im Topf deckst du ab. Das spült Spinnmilben, ihr Gespinst und Blattläuse herunter; Thripseier im Blattgewebe erreicht das Wasser nicht.
- Abschneiden: Schneid stark befallene oder eingerollte Blätter und Triebspitzen ab und bring sie aus dem Raum.
- Blautafel: Häng eine blaue Leimtafel möglichst dicht über die Pflanzen, daran bleiben die geflügelten Thripse kleben. Zähl einmal je Woche, wie viele neu dazugekommen sind.
- Nützling wählen: Gegen Spinnmilben und gegen Thripslarven am Blatt bestellst du Raubmilben, gegen Thripspuppen im Substrat Bodenraubmilben. Auf einen Blattlausherd setzt du Florfliegenlarven, für die Dauer Schlupfwespen. Welche Raubmilbe du nimmst, hängt an deinem Klima; bei der Menge hältst du dich an die Packung.
- Ausbringen: Setz die Tiere sofort nach Erhalt aus, morgens oder abends; im Zelt also zu Beginn oder am Ende der Lichtphase und nicht mitten unter voller Lampe. Geliefert werden sie als Dose mit Streu oder als Tüte. Die Dose drehst du vor dem Öffnen und verteilst die Streu auf den Blättern, die Tüte hängst du ins obere Drittel der Pflanze. Lass die Verpackung ein paar Tage in der Pflanze.
- Erfolg prüfen: Neue Blätter und Triebe bleiben frei. Passen Temperatur und Luftfeuchtigkeit, kommt ein Spinnmilbenbefall nach etwa 10 Tagen zum Stehen; die leuchtend orangeroten, schnell laufenden Tiere zwischen den Spinnmilben sind deine Raubmilben. Bei Thripsen sinken die Fänge an der Blautafel. Aufgeblähte, goldbraune Blattläuse mit rundem Loch haben die Schlupfwespen erwischt; die ersten findest du 10 bis 14 Tage nach dem Aussetzen.
Welcher Nützling zu deinem Klima passt
In der Blüte ist die Luft mit 45 bis 60 % Luftfeuchtigkeit trockener als im Wachstum, und das Licht brennt nur noch 12 Stunden. Die meisten Raubmilben brauchen feuchtere Luft, als die Blüte bietet. Lies deshalb erst dein Thermo-Hygrometer ab und bestell danach.
Zeigt es über 60 %, wie im Wachstum üblich, setzt du gegen Spinnmilben die Raubmilbe Phytoseiulus persimilis ein, sobald welche da sind; sie frisst nichts anderes. Zwischen 50 und 60 % nimmst du die Raubmilbe Amblyseius californicus gegen Spinnmilben dazu. Diese Art verträgt trockenere Luft und bleibt auch dann, wenn kaum Beute da ist.
Gegen Thripslarven am Blatt arbeitet die Raubmilbe Amblyseius cucumeris. Diese Art will mindestens 60 %, besser um 70 %, und bei 12 Stunden Licht nimmst du einen Stamm, den der Hersteller als nicht diapausierend ausweist, der also an kurzen Tagen nicht in die Ruhe geht. Die Raubmilbe Amblyseius swirskii gegen Thripslarven kennt diese Ruhe nicht; ihr genügen rund 60 %, dafür braucht sie mindestens 18 °C. Beide holen nur die jungen Larven, erwachsene Thripse nicht.
Florfliegenlarven gegen Blattläuse ist die Tageslänge gleich, sie arbeiten bei Zimmertemperatur. Die Räuberische Gallmücke gegen Blattläuse braucht lange Tage und fällt bei 12 Stunden aus. Zum Ende der Blüte, bei 40 bis 50 %, fehlt den Raubmilben die Feuchte. Dann bleiben dir die Handgriffe: befallene Blätter entfernen und weiter kontrollieren. Raubmilben setzt du deshalb früh ein, schon im Wachstum und beim ersten Fund.
Chili und Paprika stehen meist 16 Stunden im Licht. Dort passt auch die Raubwanze Orius laevigatus gegen Thripse, die mehr als 12 Stunden Licht braucht und auch erwachsene Tiere aussaugt, und die beiden Raubmilben gegen Thripse siedeln sich schon vor dem Schädling am Pollen an. An Tomate setzt du die beiden Raubmilben gegen Thripse und die Raubwanze nicht ein. An Kräutern treten Thripse und Spinnmilben genauso auf, und gegen Blattläuse an Topfkräutern gibt es Mischungen aus mehreren Schlupfwespen, weil jede nur einzelne Blattlausarten annimmt. Bei Zimmerpflanzen auf der Fensterbank lassen sich im Mittel 18 °C und über 60 % kaum halten; dort passen Florfliegenlarven, und blaue oder gelbe Sticker im Topf fangen Thripse ab.
Steigt ein Spinnmilbenbefall trotz Raubmilben weiter, schau aufs Thermo-Hygrometer. Über 30 °C und unter 50 % Luftfeuchtigkeit vermehren sich die Spinnmilben schneller als ihre Jäger. Dann bringst du erst das Klima in Ordnung und gießt so, dass die Pflanze keinen Trockenstress hat. Neue Raubmilben kommen danach.
Vorbeugen
Stell neue Pflanzen einige Wochen getrennt, bis zu sechs, und nimm sie einmal je Woche unter die Lupe. So lange dauert es, weil aus Eiern im Blatt und Puppen im Substrat erst nach Wochen Tiere werden, die du siehst. Stecklinge und Jungpflanzen siehst du dir an, bevor sie ins Zelt ziehen. Düng nach Bedarf, denn viel Stickstoff fördert Blattläuse. Nach dem Durchgang räumst du die Pflanzenreste heraus und reinigst das Zelt bis in die Ritzen.
Kommen Spinnmilben nach dem Durchgang wieder?
Das können sie, wenn du nur die Pflanzen herausräumst. Werden die Tage kürzer, die Temperatur niedriger und das Futter knapp, färben sich die Weibchen der Spinnmilbe rot und überdauern in Ritzen von Pflanze und Gestell. Mit den orangeroten Raubmilben haben diese Tiere nichts zu tun: Raubmilben laufen schnell über das Blatt, die roten Spinnmilben sitzen versteckt. Nach einem Befall reinigst du deshalb auch das leere Zelt.




