Mo–Sa 12–20 Uhr

Zeiten & Anfahrt

Dünger · Vergleich

Organisch oder mineralisch

Organischer und mineralischer Dünger im Vergleich: Tempo, Dosieren, EC und pH, das passende Substrat und was „bio“ auf der Flasche heißt.

Die Gießkanne von vorgestern steht noch halb voll neben dem Fensterbrett. Angesetzt war sie mit organischem Dünger, jetzt ist das Wasser trüb, und beim Schwenken steigt ein Geruch auf, der vorher nicht da war. Bakterien haben sich über die Lösung hergemacht, denn organischer Dünger ist Futter für Lebewesen. In einer Kanne mit mineralischem Dünger schwimmen gelöste Salze. Daran hängt alles Weitere: wie schnell die Pflanze etwas davon hat, wie du dosierst und misst und in welchem Topf das Ganze funktioniert.

Kurz gesagt

  • Mineralischer Dünger liefert Nährsalze, die sofort an die Wurzel gehen. Organischen Dünger setzt erst das Bodenleben um, er wirkt verzögert.
  • Mineralisch dosierst du nach Düngeschema und kontrollierst mit EC-Wert und pH-Wert. Organisch dosierst du in ml/l nach Düngeschema, das EC-Messgerät hilft dir dort nicht.
  • Organisch gehört in Erde. In Hydro und überall, wo Tank, Leitungen oder Tropfer im Spiel sind, nimmst du mineralischen Dünger.
  • Eine organische Nährlösung setzt du für einen Tag an, eine mineralische hält mehrere Tage.

Derselbe Nährstoff, zwei Wege

Mineralischer Dünger besteht aus Salzen. Im Gießwasser zerfallen sie in ihre geladenen Teilchen, und in genau dieser Form nimmt die Wurzel sie auf. Bei organischem Dünger stecken die Nährstoffe in großen Molekülen, mit denen die Wurzel nichts anfangen kann. Die muss das Bodenleben erst abbauen; ohne Bakterien und Pilze im Wurzelraum liegt das Material nur da. Am Ende steht in beiden Fällen dasselbe, der einzelne gelöste Nährstoff. Organisch ist also ein Umweg, und wie lange er dauert, hängt an Temperatur, Feuchte und pH-Wert im Substrat.

Wie schnell es wirkt

Ohne diesen Umweg ist ein Dünger sofort da. Soll ein Mangel schnell weg, ist mineralisch deshalb das Mittel. Feste und pelletierte organische Dünger arbeiten in Wochen: Hornmehl ist nach etwa 6 Wochen umgesetzt, grobe Hornspäne brauchen mehrere Monate, und je feiner das Material gemahlen ist, desto eher ist es durch. Flüssig geht es schneller, aber auch dann arbeitet erst das Bodenleben. Ein flüssiger Grunddünger auf Algenbasis braucht rund zwei Wochen, bis er für die Pflanze verfügbar ist.

Häufiger Fehler

Nach einer Woche ist am Blatt nichts zu sehen, also kommt noch eine Portion organischer Dünger hinterher. Die erste Gabe ist aber noch gar nicht angekommen, und beide zusammen treffen später auf einmal ein. Organischer Dünger kommt ab der Woche in den Topf, die das Düngeschema für deine Erde nennt, nicht erst, wenn die Pflanze Hunger zeigt. Drängt ein Mangel, überbrückst du mit mineralischem Dünger, statt organisch nachzulegen.

Dosieren und messen

Bei mineralischem Dünger hast du eine Zahl in der Hand. Jeder Milliliter hebt den EC-Wert, und das Messgerät zeigt dir vor dem Gießen, wie stark die Lösung ist. Die Kehrseite: Eine doppelte Dosis steht genauso sofort als Salz an der Wurzel.

Anders bei organischem Dünger. Dort zeigt das EC-Messgerät nur den Teil an, der schon als Salz gelöst ist. Der Wert liegt deshalb niedriger, als die Düngermenge vermuten lässt, und zum Dosieren taugt er nicht. Mit der Spritze misst du ab, was das Düngeschema für deine Erde nennt. In Erde fängst du mit der halben Menge an und steigerst bis zum Wert des Schemas; im Wachstum sind das als volle Menge je nach Dünger und Vordüngung der Erde 2 bis 4 ml/l.

Beim pH-Wert des Gießwassers gibt es für Erde zwei Spannen, und welche gilt, entscheidet der Dünger: mit mineralischem 5,8 bis 6,2, mit organischem 6,2 bis 6,5. Bei hartem Wasser, wie es in Köln aus dem Hahn kommt, misst du auch mit organischem Dünger nach und stellst ein.

etwa 6 Wochenbis Hornmehl im Boden umgesetzt ist; Hornspäne brauchen mehrere Monate
rund 2 Wochenbis das Bodenleben einen flüssigen organischen Grunddünger auf Algenbasis umgesetzt hat
etwa 4 Tagehält eine in der sauberen Kanne angesetzte Nährlösung aus mineralischem Erddünger
16–25 °CLagertemperatur für die Flasche mit organischem Dünger, dunkel

Welcher Dünger in welches Substrat

Bodenleben braucht ein Substrat, das es trägt, und das ist Erde. Dort gehört organischer Dünger hin. In Kokos ist mineralisch der einfachere Weg; organisch geht dort nur mit einem Düngeschema, das eine eigene Zeile für Kokos hat. In Hydro und in jeder Bewässerung mit Tank und Schlauch hat organischer Dünger nichts verloren: Er setzt Leitungen, Ventile und Tropfer zu, und im Tank verdirbt die Lösung. Mineralischer Dünger passt in Bewässerungssysteme mit Tank, Pumpe und Tropfern.

Fehlerfrei ist auch organisch in Erde nicht. In kaltem, nassem Substrat unter etwa 15 °C stockt die Umsetzung, und Ammonium staut sich an. Du siehst helle Felder zwischen den Blattadern, verstreute braune Flecken und gestauchten Wuchs. Der Topf kommt wärmer, die Düngung setzt aus, und das Substrat spülst du einmal mit klarem Wasser. Jungpflanzen von Tomate und Paprika reagieren darauf besonders empfindlich.

Die Kanne von gestern

Organische Nährlösung setzt du für einen Tag an. Ein Rest darf höchstens bis zum nächsten Tag stehen, die Kanne von vorgestern ist also schon drüber. Die Lösung riecht, und was noch an Nährstoffen drin ist, weißt du nicht. Die mineralische Lösung hält sich länger; in der Zeit steigt ihr pH-Wert langsam, den misst du vor dem Gießen nach.

Tipp vom Tresen

Die Flasche mit organischem Dünger steht dunkel bei Zimmertemperatur. Wärme lässt den Inhalt gären, Kälte schadet ihm, der Kühlschrank ist also der falsche Platz. Schreib das Datum auf die Flasche, wenn du sie aufmachst: Ab da ist sie etwa ein Jahr verwendbar.

Was „bio“ auf der Flasche heißt

Bei Dünger sagt das Wort „bio“ etwas anderes als bei Lebensmitteln. Für den ökologischen Landbau gibt es Listen der Dünger, die dort eingesetzt werden dürfen. Was in der Flasche ist, steht in der Deklaration auf dem Etikett. Dort liest du, ob der Dünger organisch, organisch-mineralisch oder mineralisch ist.

Die beiden nebeneinander

organischmineralisch
Weg zur Wurzeldas Bodenleben baut große Moleküle abSalze lösen sich im Gießwasser
Tempofest und pelletiert: Wochen bis Monate; flüssig schnellersofort
Dosierenin ml/l nach Düngeschemanach Düngeschema, Kontrolle mit dem EC-Messgerät
EC-Wertzeigt nur den gelösten Teil, kein Maß für die Dosiszeigt die Stärke der Lösung
pH-Wert in Erde6,2–6,55,8–6,2
SubstratErde; Kokos nur nach Schema mit Kokos-ZeileErde, Kokos, Hydro
Bewässerungvon Hand mit der Gießkannejedes System, auch mit Tank und Tropfern
Angesetzte Lösungfür einen Tagmehrere Tage, pH-Wert nachmessen

Dafür und dagegen

DafürDagegen
organischSpritze und Düngeschema reichen zum Dosieren; eine Gabe wirkt über Wochen nachdu siehst erst spät, ob die Menge stimmt; Kälte und Nässe im Topf bremsen die Wirkung; die Lösung riecht und lässt sich nicht auf Vorrat mischen
mineralischein Mangel ist schnell behoben; vor dem Gießen misst du, was in der Kanne ist; ein Dünger für Kanne, Tropfer und TankMessen von pH-Wert und EC-Wert gehört zur Routine; ein Fehler bei der Dosis kommt sofort an, bis zur Überdüngung

Was für wen

Mit Pumpe, Tank oder Tropfern fällt die Wahl auf mineralischen Dünger, in Hydro ohnehin und in Kokos meistens. Mineralisch passt auch zu dir, wenn du nach Zahlen arbeiten und vor jedem Gießen wissen willst, was in der Kanne ist. Stehen deine Töpfe in Erde und gießt du von Hand, ist organischer Dünger eine gute Wahl: ab der Woche, die das Schema für deine Erde nennt, mit der Spritze abgemessen und für jeden Gießtag frisch angesetzt.

Geprüft am 10. Oktober 2026Zahlen und Faustwerte liest ein Recherche-Agent gegen; Unbelegtes ist im Text markiert. Fehler gefunden? Sag uns Bescheid, wir prüfen nach.