Dünger · Grundlage
Nährstoffe kurz: N, P, K und der Rest
Was die drei Zahlen auf der Düngerflasche heißen, was N, P, K, Calcium und Spurenelemente tun und woran du Mangel und Überdüngung am Blatt erkennst.
Die Chili unter der Lampe hat seit ein paar Tagen zwei gelbe Blätter, beide ganz unten am Stamm. Beim letzten Gießen ging deshalb sicherheitshalber die doppelte Menge Dünger ins Wasser, weil Gelb nach Hunger aussieht. Jetzt sind die Spitzen der nächsten Blätter braun, und auf der Erde liegt ein weißer Schleier. Damit sind in einer Woche beide Fälle da, die der Dünger kennt, zu wenig und zu viel. Beide liest du am Blatt, und beide hängen daran, was ins Gießwasser kommt.
- Die drei Zahlen auf einem NPK-Dünger heißen Stickstoff, Phosphor, Kalium, in dieser Reihenfolge und in Gewichtsprozent.
- Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium kann die Pflanze umlagern, ein Mangel zeigt sich zuerst unten an den alten Blättern. Calcium, Schwefel und Spurenelemente wie Eisen oder Zink fehlen zuerst oben an den jungen.
- Vorgedüngte Erde hat Vorrat für bis zu 8, manche für bis zu 12 Wochen, je nach Erde und Pflanze; so lange bleibt die Flasche zu.
- Braune Blattspitzen, weiße Kruste auf der Erde und Welke trotz feuchter Erde sind Überdüngung. Dann spülst du.
Die drei Zahlen auf dem NPK-Dünger
Auf einem NPK-Dünger stehen drei Zahlen, zum Beispiel 15+10+15. Das sind die Hauptnährstoffe in Gewichtsprozent und in fester Reihenfolge: zuerst Gesamtstickstoff (N), dann Phosphat (P₂O₅), dann Kaliumoxid (K₂O). Der Dünger aus dem Beispiel bringt also 15 % Stickstoff, 10 % Phosphat und 15 % Kaliumoxid mit. Weil die Reihenfolge vorgeschrieben ist, lassen sich zwei Packungen direkt nebeneinanderhalten.
Flüssigdünger für den Topf sind deutlich dünner, bei ihnen zählt das Verhältnis. Ein Wuchsdünger ist stickstoffbetont, etwa NPK 3-1-3; ein Blütedünger ist kalium- und phosphorbetont, etwa NPK 2-2-4, und kommt ab Blütebeginn in den Plan. Welche Flasche wann mit wie viel dran ist, steht im Düngeschema des Herstellers, als Produkt, Phase und Menge je Woche. Die Dosierung in ml/l meint Milliliter Konzentrat je Liter Gießwasser, und die Zahl im Schema ist ein Höchstwert. Steht dort 5 ml/l, sind das 1:200 oder 50 ml auf eine 10-l-Gießkanne; eine andere Flasche kann deutlich früher enden, und dann gilt die Zahl auf dieser Flasche.
Mineralisch oder organisch ist die zweite Frage beim Lesen. Mineralische Dünger sind Nährsalze, die sich im Gießwasser lösen und sofort an die Wurzel gehen. Organische Dünger muss erst das Bodenleben mineralisieren, also in Nährsalze zerlegen; sie wirken darum verzögert und dafür länger. Wie verschieden das Tempo ausfällt, zeigen zwei Klassiker. Horngries gibt die Hälfte von dem, was er insgesamt hergibt, in den ersten 7 Tagen ab, Schafwolle braucht dafür 23 Tage.
Was die Nährstoffe in der Pflanze tun
Stickstoff (N) baut Blattmasse und Blattgrün. Phosphor (P) steckt in Wurzeln, Blüte und im Energiehaushalt der Zelle. Kalium (K) regelt den Wasserhaushalt und sorgt für Fruchtbildung und Reife. Diese drei braucht die Pflanze in der größten Menge, deshalb stehen sie vorn auf dem Etikett.
Dahinter kommen die Sekundärnährstoffe in mittleren Mengen. Calcium baut Zellwände und Fruchtgewebe, Magnesium sitzt in der Mitte des Blattgrüns, Schwefel ist ein Eiweißbaustein. Spurenelemente wie Eisen, Mangan, Zink, Bor, Kupfer und Molybdän braucht die Pflanze nur in winzigen Mengen, denn sie arbeiten in Enzymen statt als Baustoff. Molybdän zum Beispiel steckt in dem Enzym, mit dem die Pflanze Nitrat verwertet.
Die Liste musst du nicht auswendig können. Zwei Eigenschaften lohnen sich aber zu merken, weil sie dir am Blatt helfen: ob die Pflanze einen Nährstoff umlagern kann und ob seine Aufnahme am pH-Wert hängt.
Mangel lesen: erst die Lage, dann die Farbe
Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium sind mobil. Die Pflanze zieht sie aus alten Blättern ab und schickt sie in den Neutrieb, deshalb zeigt sich ein Mangel zuerst unten an den älteren Blättern. Calcium, Schwefel, Eisen, Mangan, Zink, Bor und Kupfer sind immobil und bleiben, wo sie einmal eingebaut sind. Fehlen sie, leiden zuerst die jungen Blätter und die Triebspitze. Die Lage am Trieb ist darum das Erste, worauf du schaust, die Farbe das Zweite.
| Nährstoff | Fehlt zuerst | Blattbild |
|---|---|---|
| Stickstoff (N) | alte Blätter unten | gleichmäßiges Gelb, wandert nach oben; bei Chili beginnt es an den Spitzen der älteren Blätter |
| Phosphor (P) | alte Blätter | dunkel- bis blaugrün, Unterseite purpurn bis rötlich, Wuchs gebremst |
| Kalium (K) | alte Blätter | Blattränder vergilben und sterben ab |
| Magnesium | alte Blätter | hell zwischen den Adern, die Adern bleiben grün (Chlorose) |
| Calcium | junge Blätter, Triebspitze, Frucht | Blütenendfäule an Tomate und Paprika |
| Schwefel | junge Blätter | junge Blätter hellen auf |
| Eisen | junge Blätter | sehr helle Blätter, vor allem bei hohem pH-Wert und Kalk |
| Zink | junge Blätter | Gelb zwischen den Adern junger Blätter |
Ein Sonderfall ist die Blütenendfäule an Tomate und Paprika, die braune, eingesunkene Stelle am Fruchtende. Das ist keine Pilzkrankheit, der Frucht fehlt Calcium. Meist ist genug davon in der Erde, aber Calcium reist nur mit dem Wasserstrom. Trocknet die Erde zwischendurch aus oder bekommt die Pflanze einen Stickstoffschub, kommt es in der Frucht nicht an. Gleichmäßig feucht halten und beim Stickstoff maßvoll bleiben, damit das Calcium die Frucht überhaupt erreicht.
Ein gelbes Blatt kann auch bei voller Flasche entstehen. Torffreie Erden mit Holzfaser binden Stickstoff eine Zeit lang, das heißt Stickstofffestlegung, und ein Stickstoffmangel trotz Düngung ist dann möglich. Ein Blick auf die Erde lohnt deshalb, bevor die Flasche aufgeht.
Zu viel sieht einem Mangel ähnlich
Zu viel Dünger ist ein Salzüberschuss im Substrat. Die Blattspitzen und Ränder werden braun, auf der Erde bildet sich eine weiße Kruste, untere Blätter fallen, und die Pflanze welkt, obwohl die Erde feucht ist. Gerade das letzte Zeichen täuscht, weil Welke nach Durst aussieht und zum Gießen verleitet.
Die Abhilfe heißt Spülen. Große Töpfe bekommen mehrere Wassergaben nacheinander mit klarem Wasser, bis es unten aus dem Topf läuft; kleine Töpfe setzt du lieber in frische Erde um. Zimmerpflanzen brauchen Dünger nur in der Vegetationsperiode, im Winter sammelt sich jede Gabe als Salz im Topf.
Die doppelte Dosis wirkt nicht doppelt. Mehr Salz im Topf ist alles, was sie bringt, und das zeigt sich als braune Spitzen und geschädigte Wurzeln. Mehr als das Düngeschema nennt, hat im Gießwasser nichts verloren, lieber öfter wenig. Zum selben Fehler gehört der verpasste Umstieg von Wuchs- auf Blütedünger ab Blütebeginn. Läuft der stickstoffbetonte Wuchsdünger bis in die Fruchtphase weiter, wird die Tomate buschig, mit viel Blatt und wenigen Früchten.
pH-Wert, EC-Wert und das Wasser aus dem Hahn
Ob die Nährstoffe überhaupt an die Wurzel kommen, entscheidet der pH-Wert der Lösung. Eisen, Kupfer, Zink, Mangan und Bor nimmt die Pflanze mit steigendem pH-Wert schlechter auf. Darum stehen sehr helle junge Blätter vor allem bei hohem pH-Wert und kalkhaltigem Wasser, obwohl Eisen im Dünger ist. Stickstoff, Schwefel, Calcium und Magnesium hängen kaum am pH-Wert. Für Erde liegt das Fenster bei 5,5 bis 6,5.
Der EC-Wert sagt dir, wie viel Salz in der Lösung ist, gemessen in mS/cm. Er ist immer die Summe aus dem, was das Wasser mitbringt, und dem, was du dazugibst. Ein Erd-Wuchsdünger in voller Herstellerdosis ergibt mit Leitungswasser zum Beispiel 0,9 bis 1,6 mS/cm, das gibt dir ein Gefühl für die Größenordnung. Sehr weiches Wasser oder Osmosewasser unter 0,4 mS/cm bringt kaum Calcium und Magnesium mit. Dafür gibt es CalMag, das solches Wasser mit 5 bis 10 ml auf 10 l auf etwa 0,4 mS/cm anhebt. Auf Kokos stellt sich dieselbe Frage, sobald weiches Wasser aus dem Hahn kommt. In Köln kannst du dir das meist sparen, denn das Leitungswasser linksrheinisch hat 18,1 °dH Gesamthärte mit 106 mg/l Calcium und 14 mg/l Magnesium.
Vorgedüngte Erde füttert die ersten Wochen allein, bis zu 8, manche bis zu 12 Wochen, je nach Erde und Pflanze. Ich fange deshalb erst danach mit dem Düngeschema an, mit der halben Dosis, und schaue mir die Pflanze an, bevor es eine Stufe hochgeht.
Fragen vom Tresen
Blätter werden gelb und fallen ab, fehlt Dünger?
Zuerst in die Erde fassen. Staunässe blockiert die Aufnahme auch bei voller Flasche, und eine Tomate wirft ihre untersten, beschatteten Blätter ohnehin ab. Sitzt das Gelb unten, wandert gleichmäßig nach oben und ist die Erde dabei nicht nass, passt es zu Stickstoffmangel. Fallen die Blätter erst nach brauner Spitze und braunem Rand, zeigt das in die andere Richtung, zu viel Salz im Topf.
Tomatendünger: Langzeitdünger oder jede Woche Flüssigdünger?
15 bis 25 ml organischer Flüssigdünger auf 5 l Gießwasser, also 3 bis 5 ml/l, ab Juni etwa wöchentlich, so sieht die flüssige Variante für Tomaten im Topf aus. Die kommt sofort an und lässt sich Woche für Woche nachsteuern. Langzeitdünger gibt dagegen über Wochen bis Monate ab, und ist er organisch, muss ihn erst das Bodenleben zerlegen, verzögert und dafür lang. Bis dahin lebt die Tomate in vorgedüngter Erde ohnehin vom Vorrat.
Die Chili blüht und trägt gut, wird aber von unten gelb. Was ist da los?
Bei Chili beginnt Stickstoffmangel genau so, an den älteren Blättern und zuerst an deren Spitzen, von unten nach oben. Blüte und Früchte laufen trotzdem weiter, weil die Pflanze den Stickstoff aus den alten Blättern nach oben holt. Spätestens nach 8 bis 12 Wochen, je nach Erde, ist der Vorrat einer vorgedüngten Erde aufgebraucht, und ab da gehört Dünger ins Gießwasser, in der Menge, die das Düngeschema für die Phase nennt.




