Ernte & Lagern · Problem lösen
Schimmel und Fehlgeruch beim Trocknen und im Glas
Flaum am Zweig, Flecken im Glas, Geruch nach Muff, Ammoniak oder Heu: woran du Schimmel erkennst, was wegkommt und was du nachtrocknest.

Drei Gläser im Schrank sehen aus wie letzte Woche. Im vierten liegt innen ein feiner Beschlag am Glas, und beim Aufschrauben kommt dir ein Geruch entgegen, der vorher nicht da war. Ob du den Inhalt nachtrocknest oder wegwirfst, hängt an dem, was du siehst, und daran, wonach es riecht. Dasselbe gilt eine Station früher, wenn im Zelt an einem hängenden Zweig etwas Helles sitzt.
- Sichtbarer Belag oder muffiger Geruch heißt Schimmel: Der ganze Inhalt des Glases kommt in den Müll, das Glas wäschst du mit warmem Wasser und Spülmittel.
- Im Zelt gehen der Zweig mit Schimmel und alles, was ihn berührt hat, mit weg. Abschneiden, Abwaschen oder Nachtrocknen rettet nichts, weil die Pilzfäden unsichtbar im Inneren sitzen.
- Stechender Ammoniakgeruch ohne Belag und ohne Muff kommt von zu feucht Eingelagertem. Dann legst du sofort alles aus und trocknest nach. Heugeruch allein, ohne Belag und ohne Muff, ist kein Grund zum Wegwerfen.
- Über 65 % Luftfeuchte im Glas kann Schimmel wachsen; dann legst du wieder aus.
- Kühl trocknen allein hält Schimmel nicht auf. Es entscheiden Luftfeuchte, Luftbewegung und der Abstand zwischen den Zweigen.
Woran du Schimmel erkennst
Schimmel zeigt sich als pulvriger oder pelziger Belag. Am Anfang ist er weiß, fädig oder wattig, später wird er grünlich, grau, bräunlich oder schwarz, und oft riecht es dazu muffig. Zu sehen ist immer nur ein Teil, denn die Pilzfäden breiten sich im Inneren aus, bevor außen etwas auffällt. Grauschimmel zeigt sich erst als wässrige Stelle, die abstirbt, dann als graue Matte, auch im Inneren dichter Stücke. Dichte Stücke und dicke Zweige brichst du deshalb auf und siehst mit der Lupe hinein.
Unter der Lupe ist Schimmel ein Fleck oder ein wirres, zusammenhängendes Gespinst aus Fäden. Oft kommt eine schmierige Stelle dazu oder ein Stück, das beim Anfassen zerfällt. Bist du unsicher, behandelst du die Stelle als Schimmel.
| Das siehst oder riechst du | Das steckt dahinter | Das tust du |
|---|---|---|
| Weißer bis grauer Flaum oder Gespinst am hängenden Zweig, oft im Inneren dichter Stücke | Grauschimmel oder ein anderer Schimmel; die Luft stand und war feucht, oder es hing zu dicht | Zweig und alles, was ihn berührt hat, in eine Tüte und entsorgen |
| Dunkle, wässrige oder schmierige Stelle, beim Aufbrechen innen grau oder braun | Schimmel von innen, außen war noch nichts zu sehen | Entsorgen; was daneben hing, Stück für Stück aufbrechen, im Zweifel mit weg |
| Blaugrüne, schwarze oder gelbliche Flecken im Glas, pulvrig oder pelzig | Schimmel; zu feucht eingelagert, oder das Glas ist feucht geworden | Den ganzen Inhalt entsorgen, nichts aussortieren; das Glas warm mit Spülmittel waschen |
| Muffiger Geruch wie im Keller, auch ohne sichtbaren Belag | Schimmel im Inneren, oft dort, wo es am dichtesten hängt | Im Glas den Inhalt entsorgen; im Zelt die Stelle suchen, dichte Stücke aufbrechen, dann entsorgen wie bei sichtbarem Schimmel |
| Stechender Ammoniakgeruch beim Öffnen des Glases, kein Belag, kein Muff | Viel zu feucht eingefüllt | Sofort alles heraus und einlagig nachtrocknen, bis ein dünner Zweig bricht |
| Der Inhalt klumpt im Glas, das Hygrometer zeigt über 65 % | Zu früh ins Glas: außen trocken, innen feucht | Wieder auslegen und nachtrocknen |
| Beschlag innen am Glas | Warm eingefüllt, oder kalt gelagert und ins Warme geholt | Ohne Belag und ohne Muff nachtrocknen und neu einfüllen; mit Belag oder Muff den Inhalt entsorgen |
| Heu- oder Grasgeruch nach dem Trocknen | Trocknungsfehler; für sich allein kein Schimmelzeichen | Ohne Flaum und ohne Muff nicht wegwerfen; im Glas kann der Geruch nachlassen, sicher ist das nicht |
| Das Hygrometer im Glas zeigt unter 55 %, alles bröselt | Zu lange oder zu trocken getrocknet | Humidity-Pack mit 62 % einlegen, Glas zu lassen |
Muff, Ammoniak, Heu
Riech am offenen Glas oder im Raum, aus etwas Abstand und nie direkt am Stück. Muffig wie im Keller zählt als Schimmel, auch wenn du nichts siehst. Im Glas geht dann der Inhalt in den Müll. Im Zelt suchst du die Stelle, von der der Geruch kommt; oft sitzt der Schimmel im Inneren dichter Stücke oder dort, wo kaum Luft hinkommt. Ammoniak sticht, sobald der Deckel aufgeht. Dann kam alles zu feucht ins Glas. Ist kein Belag zu sehen und riecht nichts muffig, legst du es sofort einlagig aus und trocknest nach.
Heu- oder Grasgeruch allein heißt noch nicht Schimmel. Erfahrungsgemäß kommt der Geruch, wenn es zu warm, zu schnell oder in stehender Luft getrocknet hat. Ist kein Belag zu sehen und riecht nichts muffig, musst du deshalb nichts wegwerfen. Im Glas kann der Geruch nachlassen, verlassen kannst du dich darauf nicht. Beim nächsten Mal trocknest du kühler und mit Luftbewegung.
Warum kühle Luft nicht reicht
Schimmel braucht Feuchte. Das kleine Hygrometer im Glas soll 55 bis 65 % zeigen; darüber kann Schimmel wachsen, und du legst wieder aus. Je höher die Anzeige steigt, desto eher wächst er, und dichte Stücke können innen feuchter sein, als die Anzeige verrät.
Beim Trocknen gelten weiter 16 bis 20 °C und 55 bis 60 % Luftfeuchte. Die kühle Luft bremst Schimmel nur. Grauschimmel kommt mit 18 bis 24 °C gut zurecht, sobald Feuchte dazukommt. Ist die Luft im Zelt zu feucht, senkst du die Luftfeuchte mit mehr Abluft oder einem Luftentfeuchter. Wärmer stellst du nicht, denn am besten wächst Schimmel bei 25 bis 35 °C.
Der Rest sieht gut aus, also wird nur die Schimmelstelle abgeschnitten. Die Pilzfäden sitzen aber auch dort, wo du nichts siehst. Was Schimmel hat, geht ganz weg, samt allem, was es berührt hat. Nachgetrocknet wird nur, was feucht geworden ist und weder Belag noch Muff hat.
So gehst du vor
- Im Zelt schaltest du zuerst den Clip-Ventilator aus, die Abluft läuft weiter. Am Zelt wie am Glas ziehst du Handschuhe und eine FFP2-Maske an und schüttelst nichts, damit du keine Sporen aufwirbelst und einatmest.
- Geh Zweig für Zweig oder Stück für Stück durch und achte auf Flaum, Gespinst, pulvrigen Belag und schmierige Stellen. Dichte Stücke brichst du vorsichtig auf und siehst innen mit der Lupe nach.
- Riech aus etwas Abstand am offenen Glas oder im Raum. Was du gesehen und gerochen hast, führt dich zu einem der drei nächsten Schritte.
- Bei Schimmel, also Belag oder Muff: Riecht es im Zelt muffig, ohne dass du etwas siehst, brichst du zuerst die dichtesten Stücke auf und die Zweige, an die am wenigsten Luft kommt, bis du die Stelle findest. Der befallene Zweig und alles, was ihn berührt hat, kommen in eine Tüte, die du verschließt, und in den Hausmüll. Was daneben hing, brichst du Stück für Stück auf und siehst innen mit der Lupe nach. Jedes Stück mit Flaum, Fleck oder schmieriger Stelle geht mit weg, im Zweifel auch. Findest du keine Stelle und riecht es im Zelt weiter muffig, kommt alles weg, was darin hängt. Im Glas entsorgst du den ganzen Inhalt samt Humidity-Pack. Das Glas wäschst du mit warmem Wasser und Spülmittel und nimmst es trocken wieder, Hygrometer und Schere wischst du ab.
- Bei Ammoniakgeruch ohne Belag und ohne Muff, ebenso bei über 65 % im Glas oder Klumpen: Leg alles einlagig aufs Trockennetz und sieh dabei nach Flaum. Zurück ins Glas kommt es, wenn ein dünner Zweig wieder knackt und bricht. Das Hygrometer liest du ab, sobald die Anzeige nicht mehr steigt; sie soll zwischen 55 und 65 % stehen. Steht sie wieder über 65 %, legst du noch einmal aus.
- Bei Heugeruch ohne Belag und ohne Muff: Du wirfst nichts weg und lagerst weiter im Glas.
- War der Schimmel im Zelt, räumst du es jetzt leer. Was noch hängt und unauffällig ist, bringst du vorher in einen anderen Raum und hängst es dort locker auf, mit dem Hygrometer daneben und bei 55 bis 60 % Luftfeuchte wie beim Trocknen. In eine geschlossene Tüte oder Dose kommt es nicht, darin staut sich die Feuchte. Was die Bruchprobe schon besteht, füllst du gleich in Gläser. Wisch Wände, Stangen und Wanne feucht mit Wasser und Haushaltsreiniger ab. Das Wischwasser wechselst du mehrfach, den Lappen wirfst du danach weg. Trocken fegen oder saugen lässt du bleiben.
- Lass das Zelt offen stehen und die Abluft laufen, bis alles ganz trocken ist. Das Vorfiltervlies wäschst du oder ziehst gleich ein frisches auf. Den Aktivkohlefilter machst du nicht nass.
- Erst danach hängst du wieder ein, lockerer als vorher, und siehst dabei jeden Zweig noch einmal auf Flaum, Flecken und schmierige Stellen durch. Bring die Luftfeuchte mit Abluft oder Luftentfeuchter auf 55 bis 60 % und stell den Clip-Ventilator wieder an, auf kleinster Stufe und an den Zweigen vorbei.
Zu trocken und das Humidity-Pack
Ein Humidity-Pack hält die Luftfeuchte im dichten Glas auf dem aufgedruckten Wert, indem es Feuchte abgibt oder aufnimmt. Zu feucht Eingelagertes rettet es nicht; das trocknet erst nach, dann kommt das Päckchen dazu. Ist dir alles zu trocken geraten und bröselt, legst du ein Päckchen mit 62 % ein und lässt das Glas zu. Das ist der eine Fall, in dem es hineinkommt, bevor die Anzeige in der Spanne liegt. Etwas Feuchtes legst du nicht dazu, das gibt nasse Stellen im Glas.
Vorbeugen
Häufige Ursachen für Schimmel sind unzureichendes Trocknen und falsches Lagern. Beim Trocknen bekommt jeder Zweig so viel Platz, dass die Luft frei um ihn streicht, und der Clip-Ventilator hält sie auf kleinster Stufe in Bewegung. Ins Glas kommt erst, was die Bruchprobe besteht. Lass vorher alles abkühlen. Warm Eingefülltes schwitzt im Glas, und das Kondenswasser reicht Schimmel zum Wachsen; daher kommt auch der Beschlag. Stehen die Gläser im Schrank, siehst du sie einmal im Monat nach Beschlag, muffigem Geruch und Schimmel durch.
Küchenkräuter und Chili
Für Küchenkräuter und Chili liegt die Grenze im Glas strenger, bei unter rund 60 % Luftfeuchte. Bei Lebensmitteln, Kräutern und Gewürzen wird Verschimmeltes entsorgt, denn fast alle Schimmelgifte überstehen Kochen und Braten. Ist ein Kräuterbündel innen dunkel und feucht und kleben die Blätter, war es zu dick gebunden. Siehst du Schimmel oder riecht es muffig, geht das ganze Bündel in den Müll; ohne beides öffnest du es und trocknest locker weiter. Beim nächsten Mal bindest du kleine Bündel oder nimmst den Dörrautomaten. Eine getrocknete Chili mit weißem Flaum im Inneren entsorgst du ganz, Ausputzen bringt nichts.




