Messen & Regeln · Anleitung
Klima messen: wo der Fühler hängt
Wo das Thermo-Hygrometer im Zelt hängt, wie du Höchst- und Tiefstwert abliest und wie weit du der Anzeige für Temperatur und Luftfeuchte traust.

Das Thermo-Hygrometer klebt mit einem Klettpunkt an der Zeltwand, gleich neben der Tür und auf Augenhöhe. Reißverschluss ein Stück auf, ein Blick, fertig. Für dich liegt der Platz gut, für die Messung aus zwei Gründen schlecht. An der Zeltwand misst der Fühler die Fläche mit, an der er klebt. Und auf Augenhöhe zeigt er das Klima oben im Zelt, während die Blätter ein gutes Stück tiefer stehen. Fühler heißt hier der Teil, der misst; bei einem einfachen Thermo-Hygrometer ist das ganze Gerät der Fühler.
- Der Fühler hängt frei auf Höhe des Pflanzendachs, also an der Oberkante der Pflanzen, und wandert mit ihnen nach oben.
- Er hängt im Schatten, in bewegter Luft, aber nicht direkt angeblasen.
- Du brauchst zwei Werte: einen bei Licht an und einen aus der Dunkelphase, der Zeit, in der die Lampe aus ist. Den zweiten holt dir der Speicher für Höchst- und Tiefstwert, das Zelt bleibt dabei zu.
- Jede Anzeige hat ein paar Punkte Spielraum, an eine Obergrenze fährst du deshalb nicht heran.
- Der Fühler einer Steuerung kommt an denselben Platz.
Was der Platz können muss
Die Höhe gibt das Pflanzendach vor. Am Zeltboden und unter der Zeltdecke herrscht ein anderes Klima als an den Pflanzen. In der Fläche suchst du einen Platz möglichst in der Mitte, an dem sich die Luft bewegt. Der Fühler hängt dort frei, klebt also nicht an der Zeltwand und liegt an keinem Rohr an. Er hängt aufrecht und nie auf dem Substrat, denn liegend wird er schlecht durchlüftet und kann nass werden; Gieß- und Sprühwasser hältst du von ihm fern.
Das Licht der Lampe heizt den Fühler auf. Er zeigt dann eine zu hohe Temperatur und zugleich eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit, denn die relative Luftfeuchte hängt an seiner eigenen Temperatur. Ist er 2 °C wärmer als die Luft um ihn herum, zeigt er bei 50 % Luftfeuchte etwa 6 Punkte zu wenig. Im Schatten misst er die Luft und nicht sich selbst. Lässt sich der Platz unter der Lampe nicht vermeiden, beschattet ihn ein kleiner Schirm über dem Gerät.
Bewegte Luft braucht er, einen Luftstrom direkt ins Gesicht nicht. Halt Abstand zur Zuluftöffnung, zum Luftbefeuchter oder Luftentfeuchter und zu der Stelle, wo die Abluft die Luft ansaugt. Dort bekommt er nur ab, was gerade hinein- oder hinausströmt. In der toten Ecke steht die Luft, und die Anzeige bildet das Zelt genauso wenig ab. In größeren Zelten hängst du einen zweiten Fühler dazu.
Aufhängen, abwarten, ablesen
- Such den Platz: Höhe des Pflanzendachs, Richtung Mitte, im Schatten, mit Abstand zu Zuluft, Abluft und Luftbefeuchter.
- Häng den Fühler dort frei und aufrecht auf.
- Lass ihn hängen und warte eine Zeit mit Licht an und eine Dunkelphase ab. Der Fühler muss erst so warm werden wie sein neuer Platz, und vorher hast du nur die halbe Auskunft.
- Lies ab und vergleich beide Zeiten mit den Zielwerten deiner Phase.
- Häng den Fühler höher, sobald das Pflanzendach gewachsen ist.
Die Dunkelphase ablesen, ohne das Zelt zu öffnen
Geht die Lampe aus, fällt die Temperatur, und die relative Luftfeuchte steigt, weil kühlere Luft weniger Wasserdampf hält. Das kann schnell gehen: Luft mit 55 % bei 26 °C steht bei 21 °C schon bei etwa 74 %, ohne dass Wasser dazugekommen ist. Ein Blick bei Licht an zeigt dir davon nichts. Hat dein Thermo-Hygrometer einen Speicher für Höchst- und Tiefstwert, liest du die Dunkelphase hinterher ab:
- Bei Licht an: Lies die Anzeige ab, notier Temperatur und Luftfeuchte und lösch den Speicher.
- In der Dunkelphase bleibt das Zelt zu. Der Speicher hält fest, wie hoch und wie tief die Werte gehen.
- Sobald das Licht wieder an ist: Drück die Taste für den Speicher, meist MAX/MIN beschriftet. Du siehst erst die Höchstwerte, dann die Tiefstwerte. Der Höchstwert der Luftfeuchte und der Tiefstwert der Temperatur stammen aus der Dunkelphase.
- Notier beide und lösch den Speicher wieder.
Der Speicher wird nie gelöscht. Er hält die Extremwerte seit dem letzten Löschen fest, und dann liest du eine Spitze von vor Wochen als den Wert der letzten Dunkelphase. Lösch ihn nach jedem Ablesen, damit der nächste Blick nur die Zeit seit jetzt zeigt.
Ein Datenlogger geht einen Schritt weiter. Er speichert die Werte in einem festen Takt mit Zeitstempel und zeichnet so die ganze Dunkelphase auf. Er hängt am selben Platz wie der Fühler, und nach einigen Tagen siehst du, wann die Luftfeuchte nach dem Abschalten der Lampe steigt, wie hoch und wie lange.
Womit du vergleichst
| Phase | Temperatur bei Licht an | Luftfeuchte |
|---|---|---|
| Wachstum | 22 bis 28 °C | 55 bis 70 % |
| Blüte | 20 bis 26 °C | 45 bis 60 % |
| Ende der Blüte | 20 bis 24 °C | 40 bis 50 % |
In der Dunkelphase liegt die Temperatur etwa 3 bis 5 °C darunter. Die Spanne der Luftfeuchte gilt für die ganze Phase, mit ihr vergleichst du auch den Höchstwert aus der Dunkelphase. In der Blüte sind 60 % die Obergrenze und kein Ziel. Tomate, Chili, Paprika und Basilikum haben eigene Werte; sie stehen im Artikel „Temperatur und Luftfeuchte: die Zielwerte“.
Wie weit du der Anzeige traust
Auf das Prozent genau ist keine Anzeige. Für ein gängiges Markengerät gilt:
Ob dein Thermo-Hygrometer weiter danebenliegt, zeigt der Salztest, bei dem über feuchtem Kochsalz in einer geschlossenen Dose rund 75 % stehen; die Handgriffe findest du im Artikel „pH- und EC-Messgerät kalibrieren und lagern“ unter „Salztest fürs Thermo-Hygrometer“.
Der Fühler einer Steuerung
Regelt ein Klimacontroller oder ein Hygrostat deine Abluft, hängt sein Fühler dort, wo die Pflanzen stehen, auf Höhe des Pflanzendachs und nach denselben Regeln wie das Thermo-Hygrometer. Im Luftstrom von Zuluft oder Luftbefeuchter regelt die Steuerung nach der Luft dieser Geräte und nicht nach dem Klima an den Pflanzen. Steckt auf dem Fühler eine Schutzkappe, ziehst du sie vorher ab, sonst misst er die Luft unter der Kappe. Hängt eine Natriumdampflampe im Zelt, führst du das Fühlerkabel getrennt von den Kabeln ihres Vorschaltgeräts.
Hat die Steuerung keinen Kabelfühler, misst sie dort, wo sie selbst sitzt. Trocken und fest montiert bleibt sie auch, und was an den Pflanzen ankommt, zeigt dir das Thermo-Hygrometer am Pflanzendach. Ein Thermo-Hygrometer neben dem Kabelfühler zeigt dir, ob beide dasselbe sehen. An manchen Klimacontrollern stellst du die gefundene Abweichung als Korrektur ein.
Manche Steuerungen fragen außerdem nach der Blatttemperatur, um den VPD zu berechnen, das Maß dafür, wie stark die Luft den Blättern Wasser entzieht. Bei gut gegossenen Pflanzen liegt sie meist innerhalb von 2 °C um die Lufttemperatur. Messen kannst du sie mit einem Infrarot-Thermometer: nah ans Blatt, mehrere Blätter an verschiedenen Stellen, daraus den Mittelwert.
Zwei Hygrometer, zwei Werte. Welchem glaube ich?
Das entscheidet der Salztest. Vorher hängst du beide nebeneinander, denn oft hängen sie nur an verschiedenen Plätzen. Zwei Geräte mit dem Spielraum von oben dürfen auch am selben Platz bis zu 6 Punkte auseinanderliegen.
- Fühler auf Höhe des Pflanzendachs, mit den Pflanzen nach oben gewandert
- Im Schatten, nicht direkt unter der Lampe
- Frei hängend und aufrecht, nicht an der Zeltwand, nicht auf dem Substrat
- Abstand zu Zuluftöffnung, Abluft, Luftbefeuchter und Luftentfeuchter, aber in bewegter Luft
- Vor Gieß- und Sprühwasser geschützt
- Bei Licht an abgelesen, die Dunkelphase über den Speicher
- Speicher nach jedem Ablesen gelöscht
- Beide Werte mit der Tabelle der Phase verglichen
- Schutzkappe vom Fühler der Steuerung abgezogen, falls eine draufsteckt




