Licht · Grundlage
LED wählen nach Fläche
Von der Zeltfläche zur Wattzahl: Ziel-PPFD mal Fläche, geteilt durch Ausnutzung und Effizienz. Mit Faustwerten für vier Zeltgrößen.
„Ist die 400-W-LED zu groß für mein Zelt?“ Auf diese Frage gibt es erst eine Antwort, wenn zwei weitere Angaben auf dem Tisch liegen: wie viel Licht die Pflanzen in ihrer Phase brauchen und wie viel Licht die Leuchte aus ihren Watt macht. Mit beidem ist die Sache eine kurze Rechnung. Du rechnest sie von unten nach oben, von den Blättern zur Steckdose.
- Du gehst vom Ziel-PPFD aus und rechnest über die Fläche zum PPF, den die Lampe im Datenblatt haben muss. Die Wattzahl steht erst am Ende.
- In der Blüte sind 700 bis 900 µmol/m²/s das Ziel, im Wachstum reicht gut die Hälfte, bei Jungpflanzen ein Viertel. Ausgelegt wird die Lampe auf die Blüte.
- Ein Teil des Lichts landet an der Zeltwand und daneben. Für eine einzelne Leuchte im kleinen Zelt rechne mit etwa 70 % Ausnutzung.
- Tomate, Paprika und Chili kommen mit etwa 450 µmol/m²/s aus, Kräuter und Salat mit etwa 250, und entsprechend weniger Watt.
- Eine Leuchte, die für die Blüte reicht, läuft davor gedimmt. Die kleinste Stufe prüfst du vor dem Kauf.
Von den Blättern zur Wattzahl
Drei Größen gehen in die Rechnung ein. Die erste ist der Ziel-PPFD, also der PPFD (µmol/m²/s), den deine Pflanzen im Mittel bekommen sollen. Die zweite ist die Ausnutzung: Von dem Licht, das die Lampe abgibt, landet nur ein Teil auf der Fläche, der Rest geht an die Zeltwand und daneben. Die dritte ist die Effizienz in µmol/J, die steht im Datenblatt deiner Leuchte. Ziel-PPFD und Ausnutzung sind Planungswerte mit einer Spanne, und mit anderen Werten verschiebt sich die Wattzahl.
Tomate und Paprika liegen bei 16 Stunden Licht mit etwa 450 µmol/m²/s auf dem Wachstumswert und bleiben dort, die Spanne reicht von 350 bis 520. Kräuter und Salat kommen bei 16 Stunden mit etwa 250 µmol/m²/s aus. Schattenverträgliche Zimmerpflanzen wie Farn, Einblatt oder Usambaraveilchen brauchen noch weniger, für sie sind schon etwa 90 µmol/m²/s bei 12 Stunden Licht gut. Gerechnet wird in vier Schritten, hier für die Blüte in einem Zelt mit 80 × 80 cm und mit 800 µmol/m²/s als Mitte der Spanne:
- Fläche ausrechnen: 0,8 m × 0,8 m = 0,64 m².
- Licht auf der Fläche: Ziel-PPFD mal Fläche, also 800 × 0,64 = 512 µmol/s. So viel muss unten bei den Pflanzen ankommen.
- Licht aus der Lampe: 512 geteilt durch 0,7 für die Ausnutzung ergibt rund 731 µmol/s. Das ist der PPF, den du im Datenblatt suchst.
- Watt: der PPF geteilt durch die Effizienz, also 731 ÷ 2,7 = etwa 271 W Aufnahmeleistung.
Faustwerte für vier Zeltgrößen
| Zeltfläche | Jungpflanzen | Wachstum | Blüte | Blüte mit zwei langen Modulen, untere Grenze |
|---|---|---|---|---|
| 60 × 60 cm | etwa 38 W | etwa 86 W | etwa 152 W | – |
| 80 × 80 cm | etwa 68 W | etwa 152 W | etwa 271 W | – |
| 100 × 100 cm | etwa 106 W | etwa 238 W | etwa 423 W | ab etwa 329 W |
| 120 × 120 cm | etwa 152 W | etwa 343 W | etwa 610 W | ab etwa 474 W |
Die Lampe kaufst du nach der Spalte Blüte, die beiden Spalten davor erreichst du mit dem Dimmer. Gerechnet sind die ersten drei Spalten mit 200, 450 und 800 µmol/m²/s, etwa 70 % Ausnutzung und 2,7 µmol/J; die Zeile für 100 × 100 cm ist zugleich der Wert je Quadratmeter. Hängen in den beiden großen Zelten zwei lange Module nebeneinander und sind die Zeltwände weiß, kommen bis etwa 90 % des Lichts auf der Fläche an; mit diesem günstigsten Fall ist die letzte Spalte gerechnet, sie ist die untere Grenze. Für Tomate, Paprika und Chili gilt nach den Jungpflanzen die Spalte Wachstum, und dabei bleibt es; für Kräuter und Salat gut die Hälfte davon, von der kleinsten zur größten Zeltfläche also etwa 48, 85, 132 und 190 W. Hat deine Leuchte nur 2,3 µmol/J, braucht sie für dasselbe Licht rund 17 % mehr Watt, mit 3,1 µmol/J kommt sie mit rund 13 % weniger aus. Eine Faustregel in Watt je Quadratmeter taugt nur, solange die Effizienz daneben steht.
Zahlen auf dem Karton
Fertige Zusammenstellungen „Leuchte für Zelt“ sind auf die Blüte ausgelegt. Sets eines Herstellers kommen bei weißen Zeltwänden über die Fläche gemittelt auf rund 900 µmol/m²/s, das obere Ende des Ziels. Für Tomate und Paprika ist das das Doppelte, für Kräuter und Salat fast das Vierfache; dort läuft so ein Set gedimmt, oder du nimmst gleich die kleinere Leuchte.
Der Aufdruck „ersetzt eine Natriumdampflampe mit 250 W“ steht zum Beispiel auf einer Leuchte, die 150 W aufnimmt und 343 µmol/s abgibt. Für die vier Schritte brauchst du davon nur die beiden Zahlen, der Vergleich mit der alten Lampe kommt in keinem vor. Auch bei der Effizienz lohnt ein zweiter Blick, manche Angabe gilt für die einzelne Diode. Treiber, Strom und Temperatur ziehen davon ab, die ganze Leuchte liegt darunter.
Steht im Datenblatt kein PPF, frag danach. Mit PPF und Aufnahmeleistung rechnest du die Effizienz der ganzen Leuchte selbst aus: PPF geteilt durch Watt ergibt µmol/J, und diese Zahl setzt du in Schritt vier ein.
Licht bis in die Ecke
Gleichmäßigkeit ist so wichtig wie die Stärke. Ungleich beleuchtete Pflanzen trocknen verschieden schnell und wachsen auseinander. Ein kompaktes Board, eine Platte mit vielen kleinen Dioden, hängt in der Mitte, und zum Rand fällt das Licht ab. Über 1 × 1 m bleibt am schwächsten Punkt etwa die Hälfte des Mittelwerts, während in der Mitte das 1,7-Fache liegt, gemessen in 40 cm Abstand ohne Zeltwand. Eine Balkenleuchte, deren Leisten fast die ganze Fläche überspannen, hält am Rand etwa zwei Drittel. Mehr Leuchten über derselben Fläche machen das Licht gleichmäßiger. Ab etwa 1 m Kantenlänge nimmst du besser eine Balkenleuchte oder mehrere Module. Unter einem kleinen Board drehst und tauschst du die Töpfe, damit jede Pflanze einmal in der Mitte steht. Saubere, reflektierende Zeltwände helfen dem Rand zusätzlich, im kleinen Zelt mit einer Leuchte geht dort am meisten verloren.
Nur die höchste PPFD-Zahl aus der Werbung gelesen. Eine einzelne Zahl ohne Abstand und Messpunkt ist der Fleck direkt unter der Lampe, und am Rand kommt deutlich weniger an. In der PPFD-Karte liest du Mittelwert, Minimum und Abstand und schaust, ob mit oder ohne Zeltwand gemessen wurde; erst zusammen sagen sie, was deine Fläche bekommt.
Für die Blüte kaufen, davor dimmen
Eine Leuchte, die für die Blüte reicht, ist für Jungpflanzen und Wachstum zu stark, und das ist in Ordnung, solange du sie weit genug herunterregeln kannst. Der Dimmbereich ist je Leuchte verschieden: feste Stufen von 25 bis 100 %, stufenlos ab 0 % oder gar nicht dimmbar. Ein Beispiel zeigt, warum die kleinste Stufe zählt. Eine Leuchte mit 200 W, die auf 60 × 60 cm im Mittel rund 940 µmol/m²/s bringt, liefert etwa das Fünffache dessen, was Jungpflanzen brauchen. Auf einem Viertel als kleinster Stufe bekommen sie immer noch etwas mehr als nötig; das geht gerade noch, weiter herunter kommst du aber nur mit mehr Abstand. Gedimmt arbeitet die LED mit niedrigerem Treiberstrom, ihre Effizienz steigt dabei leicht.
Auch die Beleuchtungsdauer ist ein Hebel. Bei gleicher Tageslichtsumme wächst Basilikum mit 200 µmol/m²/s über 18 Stunden besser als mit 400 µmol/m²/s über 9 Stunden. Länger und schwächer schlägt hier kürzer und stärker; bei Tomaten ist nach 18 bis 20 Stunden Schluss.
Jedes Watt wird Wärme
Die ganze Aufnahmeleistung endet im Zelt als Wärme. Die Wattzahl der Lampe bestimmt mit, wie viel Luft der Rohrlüfter aus dem Zelt schaffen muss, und eine unnötig große Leuchte auf voller Stufe heizt unnötig. Die Rechnung dazu gehört zum Thema „Abluft auslegen“.
Einige kommen mit 100 W je Quadratmeter klar. Ist das ein guter Richtwert?
Für Jungpflanzen passt das ziemlich genau. Für Kräuter und Salat ist es knapp, sie brauchen etwa 130 W je Quadratmeter. Für das Wachstum ist es weniger als die Hälfte des Faustwerts aus der Tabelle, für die Blüte rund ein Viertel. Dazu kommt die Effizienz: Dieselben 100 W bringen bei einer schwachen Leuchte deutlich weniger Licht als bei einer effizienten. Rechne mit dem PPF und nimm die Wattzahl als Ergebnis.




