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Klima & Luft · Anleitung

Abluft auslegen

Vom Zeltvolumen zur Lüftergröße: Luftwechsel wählen, Zuschläge für Filter, Schlauch und Bögen rechnen, Filter und Durchmesser passend dazu.

Eine knapp ausgelegte Abluft erkennst du am Geräusch. Der Rohrlüfter läuft den ganzen Tag auf Volllast, das Rauschen dringt abends durch die Zimmertür, und im Zelt bleibt es trotzdem warm. Knapp wird es, wenn nur das Zeltvolumen in die Rechnung geht und Aktivkohlefilter, Abluftschlauch und Bögen fehlen. Mit vier Zuschlägen mehr auf dem Zettel kommt eine Lüftergröße heraus, die gedrosselt läuft und an warmen Tagen noch zulegen kann.

Kurz gesagt

  • Zeltvolumen mal Luftwechsel je Stunde ergibt die Luftmenge, die der Lüfter aus dem Zelt ziehen muss.
  • Aktivkohlefilter, Abluftschlauch und jeder Rohrbogen bremsen. Dafür kommen Zuschläge und eine Reserve auf die Luftmenge, und gekauft wird die nächste Lüftergröße darüber.
  • Der Filterwert ist mindestens so groß wie die Luftleistung des Lüfters, und alle Teile haben denselben Anschlussdurchmesser.
  • Die Zuluft strömt unten passiv nach, die Abluft bleibt stärker, im Zelt herrscht leichter Unterdruck.
  • Ein größerer Lüfter mit Drehzahlsteuerung, gedrosselt gefahren, läuft leiser als ein kleiner auf Volllast.

Die Rechnung am Beispielzelt

Der Luftwechsel je Stunde sagt, wie oft der Lüfter die Luft im Zelt in einer Stunde komplett tauscht. Üblich sind etwa 20 bis 60, je nachdem, wie viel Wärme im Zelt entsteht. Im Wachstum und in der Blüte unter einer Lampe auf voller Leistung rechnest du mit etwa 60, in der Anzucht reichen etwa 10 bis 15; Kräuter, Salat und schwaches Licht kommen mit etwa 30 aus. Auf dem Lüfterkarton steht die Luftleistung in m³/h, gemessen frei blasend, ohne Filter und Schlauch. Deshalb wird alles, was im Luftweg hängt, als Faktor aufgeschlagen. Durchgerechnet für ein Growzelt mit 100 × 100 × 200 cm und einer LED auf voller Leistung:

  1. Zeltvolumen: Länge mal Breite mal Höhe in Metern, hier 2,0 m³.
  2. Luftwechsel: mal etwa 60 je Stunde, das sind rund 120 m³/h, die aus dem Zelt müssen. Mit Natriumdampflampe oder in einem Aufstellraum über 25 °C käme als grober Zuschlag noch etwa mal 1,5 dazu; hier entfällt er.
  3. Aktivkohlefilter: mal etwa 1,25, solange der Filter neu ist und zum Lüfter passt. Zwischenstand rund 150 m³/h.
  4. Abluftschlauch: Je Meter straff gezogenem Schlauch wächst der Faktor um etwa 0,03, bei 2 m also mal 1,06. Zwischenstand rund 159 m³/h.
  5. Rohrbogen: Je weit geführtem 90°-Bogen kommen etwa 0,05 dazu, bei einem Bogen mal 1,05. Zwischenstand rund 167 m³/h.
  6. Reserve: mal etwa 1,25, damit der Lüfter später gedrosselt läuft. Ergebnis rund 210 m³/h.

Mit diesen rund 210 m³/h gehst du an die Luftleistung auf dem Karton und nimmst die nächste Lüftergröße darüber. Dieselbe Rechnung mit etwa 60 Luftwechseln, Filter, 2 m Schlauch und einem Bogen ergibt für ein Zelt mit 120 × 120 × 200 cm rund 300 m³/h. Sinn hat die großzügige Lüftergröße nur zusammen mit einer Drehzahlsteuerung; ohne sie läuft der größere Lüfter dauernd voll und ist lauter als nötig.

Wie viel Luft der Filter schluckt

Der Aktivkohlefilter ist der größte Posten im Luftweg. Neu und mit passendem Lüfter nimmt er rund 15 bis 20 % der Luftmenge weg, und aus einem Fünftel Verlust wird in der Rechnung ein Viertel Zuschlag. Ein Filter, der sich über die Zeit zugesetzt hat, bremst mit 30 bis 50 % deutlich stärker. Dauerhaft feuchte Luft ab 70 % rF verträgt die Kohle schlecht, weil Wasser sie belegt.

Für die Auswahl zählt eine Zahl, der Filterwert: der Durchsatz in m³/h, bei dem der Filter am besten arbeitet. Steht daneben ein Höchstwert, lass ihn beiseite. Der Filterwert ist mindestens so groß wie die Luftleistung des Lüfters. Liegt er darunter, bremst der Filter, und die Luft zieht so schnell durchs Kohlebett, dass ihr die Kontaktzeit für die Geruchsbindung fehlt.

Ein Durchmesser vom Filter bis zum Fenster

Filter, Lüfter und Abluftschlauch gehören in denselben Anschlussdurchmesser. Ein Reduzierstück von 125 auf 100 mm macht die Luft bei gleicher Menge gut anderthalbmal so schnell, die Anlage wird lauter und schwächer. Hat dein Zelt mehrere Öffnungen, führ den Schlauch durch die, die zum Durchmesser passt; im Zweifel ist eine Nummer größer besser als reduzieren.

Am Schlauch verschenkst du am leichtesten Luftleistung. Falten und Stauchung treiben den Druckverlust nach oben; ein gestauchter flexibler Schlauch hat ein Vielfaches vom Widerstand eines straff gezogenen. Bei Bögen entscheidet der Radius, ein scharfer 90°-Knick bremst rund fünfmal so stark wie ein weit geführter Bogen. Fehlt oben im Zelt der Platz, dreh lieber den Lüfter, als den Schlauch direkt am Stutzen abzuknicken.

Aufhängen, Zuluft öffnen, drosseln

  1. Häng den Filter oben ins Zelt und den Rohrlüfter direkt dahinter, sodass er die Luft durch den Filter saugt. Das Vlies um den Filter ist der Vorfilter; er fängt den Staub ab und bleibt sauber.
  2. Kürz den Abluftschlauch auf Länge und führ ihn kurz, gerade und straff zum Fenster oder Schacht, mit weiten Bögen.
  3. Öffne die Zuluftöffnungen unten, gegenüber der Abluft.
  4. Regle die Drehzahl so weit herunter, wie das Zelt die Zielwerte deiner Kultur für Temperatur und Luftfeuchte noch hält.
  5. Sieh nach einer Woche nach: Hält das Zelt die Zielwerte, ohne dass der Lüfter voll läuft, passt die Auslegung. Vergleich dabei die Temperatur im Zelt mit der Zuluft, hör auf neue Geräusche und zieh lose Schellen nach.

Beim Drosseln hilft die Physik kräftig mit. Halbe Drehzahl heißt halbe Luftmenge, ein Viertel des Drucks und nur noch ein Achtel der Stromaufnahme. Weil der Druck schneller fällt als die Luftmenge, hat ein stark gedrosselter Lüfter gegen Filter und Schlauch wenig zuzusetzen; mehr als die Zielwerte hergeben, nimmst du deshalb nicht weg. EC-Lüfter lassen sich stufenlos regeln und laufen auch langsam ruhig. An einen AC-Lüfter gehört ein Stufentrafo mit festen Stufen. Ein Lichtdimmer ist keine Lüftersteuerung.

Häufiger Fehler

Du kaufst den Lüfter nach Zeltvolumen mal Luftwechsel, fürs Beispielzelt also einen mit rund 120 m³/h auf dem Karton. Mit neuem Filter, 2 m Schlauch und einem Bogen zieht er rechnerisch nur noch rund 86 m³/h aus dem Zelt. Den Tomaten fehlt damit Luft, und zum Drosseln bleibt keine Reserve, der Lüfter läuft dauernd voll. Ein straffer Schlauch und offene Zuluft holen einen Teil zurück, den Rest schafft erst die nächste Lüftergröße.

Tipp vom Tresen

Die Zeltwände sind dein Messgerät für die Zuluft. Ziehen sie sich bei laufender Abluft leicht nach innen, passt der Unterdruck. Spannen sie sich stark ein, bekommt das Zelt unten zu wenig Luft, und der Lüfter fördert weniger, als er könnte. Mach dann erst die Klappen weiter auf, bevor du an der Steuerung drehst; eine Lichtfalle vor der Öffnung bremst zusätzlich.

Fragen aus dem Laden

Braucht ein Zelt zwei Lüfter, einen für die Zuluft und einen für die Abluft?

In den meisten Zelten genügt der Lüfter für die Abluft, weil die Zuluft durch die offenen Klappen unten von selbst nachströmt. Ein eigener Zuluftlüfter lohnt erst bei großen Zelten, und er bleibt schwächer als die Abluft. Dreht er stärker, entsteht Überdruck, und ungefilterte Luft drückt durch Nähte und Reißverschlüsse nach außen.

Reicht ein kleiner Rohrlüfter mit 105 m³/h für ein Zelt mit 60 × 60 × 160 cm?

Das Zelt hat knapp 0,6 m³, frei blasend wären 105 m³/h also mehr als 180 Luftwechsel je Stunde. Mit etwa 60 Luftwechseln, Filter, 2 m Schlauch, einem Bogen und Reserve gerechnet braucht es rund 60 m³/h. Der Lüfter passt, und mit einer Drehzahlsteuerung läuft er dort gedrosselt.

  • Zeltvolumen gerechnet, Luftwechsel je Stunde nach Kultur und Lampe gewählt
  • Faktoren für Filter, Schlauch und Bögen aufgeschlagen, Reserve dazu
  • Nächste Lüftergröße über dem Ergebnis gewählt, mit Drehzahlsteuerung
  • Filterwert mindestens so groß wie die Luftleistung des Lüfters
  • Filter, Lüfter und Schlauch im selben Anschlussdurchmesser
  • Filter oben, Lüfter dahinter, Schlauch kurz, gerade und straff
  • Zuluftöffnungen unten offen, Zeltwände ziehen nur leicht nach innen
  • Drehzahl gedrosselt, Zielwerte nach einer Woche geprüft
Geprüft am 9. Oktober 2026Zahlen und Faustwerte liest ein Recherche-Agent gegen; Unbelegtes ist im Text markiert. Fehler gefunden? Sag uns Bescheid, wir prüfen nach.