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Anzucht · Anleitung

Aussaat: Schale, Substrat, Wärme

Tomate, Chili, Basilikum und Salat drinnen aussäen: Schale und Haube, nährstoffarme Anzuchterde, Saattiefe, Keimtemperatur und Wärmematte mit Thermostat.

Anfang März, auf dem Küchentisch stehen die Anzuchtschale, eine Tüte Chilisamen und der angebrochene Sack Blumenerde vom Balkon. Die Schale passt, die Samen passen, die Erde bleibt im Sack. Und das Dritte, was du brauchst, sieht man auf dem Tisch gar nicht, das ist die Wärme im Substrat. Paprika braucht bei 15 °C im Substrat 25 Tage bis zum Auflaufen, bei 25 °C sind es 8. Steht die Schale nach drei Wochen noch leer auf der Fensterbank, fehlt den Samen wahrscheinlich nur Wärme.

Kurz gesagt

  • Anzuchterde, bewusst nährstoffarm, oder Anzuchtwürfel; Blumenerde ist für Keimlinge zu stark gedüngt.
  • Tomate und Chili/Paprika kommen 0,5 bis 1 cm tief, Basilikum und Salat sind Lichtkeimer und werden nur 0 bis 0,5 cm dünn bedeckt.
  • Tomate und Chili keimen warm, bei 22 bis 25 °C im Substrat; Salat keimt kühl und braucht keine Wärmematte.
  • Unter der Haube bleibt es feucht, einmal am Tag lüftest du. Mit dem ersten Keimling kommt die Haube weg und die Schale von der Matte, ab da kühler und hell.
  • Sobald über den beiden Keimblättern das erste Blattpaar steht, das anders aussieht, setzt du jeden Keimling in einen eigenen 8 bis 10 cm Topf; das ist das Pikieren.

Schale, Haube und was darunter liegt

Für die Aussaat reicht eine flache Anzuchtschale mit Abzugslöchern, bequemer ist eine Multitopfplatte, in der jeder Samen sein eigenes Fach hat. Mit transparenter Haube wird daraus ein Zimmergewächshaus. Die Haube hält die Feuchte über dem Substrat, und genau die brauchen die Samen in den ersten Tagen. Dabei sitzt sie mindestens 4 cm über der Erde. Stell die Schale dazu aus der direkten Sonne, unter der Haube wird es dort so heiß, dass die Samen absterben. Manche Hauben haben Lüftungsschieber, dann öffnest du zum Lüften die Schieber und musst die Haube nicht jedes Mal abheben. Gebrauchte Schalen und Platten wäschst du vor dem Füllen gründlich aus, damit der Keimling später nicht an der Stängelbasis umkippt.

Anzuchterde oder Anzuchtwürfel

Anzuchterde ist fein und locker, hat weder Unkrautsamen noch Krankheitserreger drin und enthält bewusst wenig Salz und wenig Dünger. Junge Sämlinge sind schnell überdüngt, und Blumenerde ist dafür zu salzreich; sie kommt erst beim Pikieren ins Spiel. Ist das Substrat mit Wasser gesättigt, fehlt den Samen Sauerstoff und die Keimung stockt.

Anzuchtwürfel sind der Weg ohne lose Erde. Kokos-Quelltabletten und Torfquelltöpfe liegen trocken gepresst in der Packung und quellen im Wasser auf. Steinwollwürfel legst du vor dem Gebrauch in Wasser, das du vorher mit dem pH-Stift auf den passenden Wert gebracht hast; den pH einstellen heißt das. In jeden Würfel kommt ein Samen, und später setzt du den ganzen Würfel in den Topf. Die Würfel bleiben feucht, stehen aber nie im Wasser; überschüssiges Wasser muss ablaufen können.

Saattiefe, Keimtemperatur und Keimdauer je Art

ArtSaattiefeKeimtemperatur im SubstratKeimdauer bei dieser Temperatur
Tomate0,5 bis 1 cm, Dunkelkeimer20 bis 25 °C7 bis 14 Tage
Chili/Paprika0,5 bis 1 cm, Dunkelkeimer22 bis 25 °C7 bis 14 Tage, meist 10 bis 14
Basilikum0 bis 0,5 cm, Lichtkeimer15 bis 25 °C7 bis 21 Tage
Kopfsalat0 bis 0,5 cm, Lichtkeimer12 bis 16 °C7 bis 14 Tage

Die Regel für die Saattiefe ist der doppelte Samendurchmesser. Tomate und Chili sind Dunkelkeimer und bekommen 0,5 bis 1 cm Anzuchterde über sich. Basilikum und Salat sind Lichtkeimer, die drückst du nur an oder bedeckst sie hauchdünn. Vergräbst du sie wie Tomaten, laufen die Reihen lückig auf oder gar nicht. Die Temperatur im Substrat steuert dann, wie schnell etwas passiert.

14 TageTomate bis zum Auflaufen bei 15 °C im Substrat
6 TageTomate bis zum Auflaufen bei 25 °C im Substrat
25 TagePaprika bis zum Auflaufen bei 15 °C im Substrat
8 TagePaprika bis zum Auflaufen bei 25 °C im Substrat

Salat tanzt aus der Reihe. Er keimt auch kühl, bei 12 bis 16 °C, und braucht darum keine Wärmematte.

Wärmematte und Thermostat

Ohne Heizung darunter liegt das Substrat in einem unbeheizten Zimmergewächshaus oft bei 15 bis 18 °C, und das ist für Chili und Tomate zu wenig. Eine Wärmematte unter der Schale hebt die Substrattemperatur über die Raumtemperatur, grob um 5 bis 10 °C. Die Matte selbst wird dabei deutlich wärmer als die Erde darüber; bei etwa 13 °C Umgebung kommt sie auf etwa 27 °C. Ohne Regler heizt sie einfach durch, und an einem warmen Tag steht die Schale dann irgendwann zu heiß. Ich würde darum immer den Thermostat mit Bodenfühler dazunehmen. Der Fühler steckt im Substrat, und der Regler schaltet die Matte ab, sobald die eingestellte Temperatur erreicht ist. Beheizte Zimmergewächshäuser mit eingebautem Thermostat machen dasselbe in einem Stück und halten zum Beispiel 22 bis 25 °C.

Tipp vom Tresen

Tomate und Chili passen zusammen auf eine Matte, 22 bis 25 °C deckt beide Spannen. Du brauchst dann nur einen Thermostat und eine Haube, und beide laufen in 7 bis 14 Tagen auf.

Schritt für Schritt: von der Aussaat bis zum Pikieren

  1. Zeitpunkt wählen: Chili und Paprika säst du ab Mitte Februar bis Anfang März, Tomate ab Mitte März, Basilikum ab Ende März. Bis zum Auspflanzen brauchst du je nach Art 4 bis 12 Wochen Vorlauf. Säst du früher, stehen die Pflanzen wochenlang bei wenig Licht.
  2. Gefäße richten: eine saubere Anzuchtschale, Multitopfplatte oder Töpfe mit Abzugslöchern; gebrauchte wäschst du gründlich aus.
  3. Substrat vorbereiten: Anzuchterde vor dem Füllen anfeuchten, die Schale bis etwa 2 cm unter den Rand füllen und die Oberfläche glatt andrücken. Quelltabletten und Torfquelltöpfe lässt du in Wasser aufquellen, Steinwollwürfel wässerst du.
  4. Säen: Tomate und Chili/Paprika 0,5 bis 1 cm tief, Basilikum und Salat 0 bis 0,5 cm und nur dünn bedeckt. In der Schale ziehst du Reihen mit 2,5 bis 5 cm Abstand, in den Topf kommen 2 bis 3 Samen.
  5. Beschriften mit Art und Datum, dann mit feinem Sprühnebel befeuchten. Ein Schwall aus der Kanne schwemmt die Samen weg.
  6. Haube auflegen, mindestens 4 cm über dem Substrat, und die Schale aus der direkten Sonne stellen.
  7. Wärme geben: Die Matte mit Thermostat und Bodenfühler stellst du auf die Spanne der Art, Tomate 20 bis 25 °C, Chili/Paprika 22 bis 25 °C, Basilikum 15 bis 25 °C. Salat bleibt bei 12 bis 16 °C ohne Matte.
  8. Täglich nachsehen: Das Substrat bleibt gleichmäßig feucht, nie nass, nie trocken. Die Haube nimmst du ein- bis zweimal am Tag für einige Minuten bis eine Viertelstunde ab oder öffnest die Schieber und lässt das Kondenswasser ablaufen.
  9. Beim ersten Keimling nimmst du die Haube weg, holst die Schale von der Matte oder senkst den Thermostat und stellst sie kühler. Tomate zieht bei 16 bis 18 °C weiter, Paprika bei 18 bis 20 °C, nachts dürfen es 13 bis 16 °C sein.
  10. Licht sofort: Kunstlicht oder helles Südfenster, 12 bis 16 Stunden am Tag. Eine Leuchtstoffröhre hängt 15 cm über den Keimlingen und wandert mit dem Wachstum nach oben.
  11. Vereinzeln: Stehen mehrere Keimlinge in einem Topf, bleibt der stärkste, die anderen schneidest du ab.
  12. Pikieren ab dem ersten echten Blattpaar, spätestens beim zweiten; bei Tomate ist das etwa 20 bis 30 Tage nach der Aussaat. Mit dem Pikierstab hebst du den Keimling aus, fasst ihn an den Keimblättern, setzt ihn in einen 8 bis 10 cm Topf, Tomaten dabei tiefer, und gießt an.
  13. Düngen: Ab dem Auflaufen bekommt das nährstoffarme Substrat wöchentlich verdünnten Flüssigdünger. Junge Sämlinge sind schnell überdüngt, also lieber dünn.
  14. Abhärten kommt zum Schluss: 1 bis 2 Wochen vor dem Auspflanzen stellst du die Jungpflanzen tagsüber schattig ins Freie und steigerst die Dauer; bei Wind oder unter 7 °C bleiben sie drin. Paprika gewöhnst du ab Mitte April an die Luft draußen, tagsüber bei mindestens 15 °C und ohne direkte Sonne.
Häufiger Fehler

Die Haube ist noch drauf, die Schale steht noch auf der Matte, und die Sämlinge sind in einer Woche lang, dünn und blass geworden und legen sich zur Scheibe. Das ist vergeilt, zu warm und zu dunkel zugleich. Typisch sind die vergessene Haube, die Matte, die nach dem Keimen weiterläuft, und das Nordfenster; Zimmertemperatur plus Nordfenster reicht für Keimlinge nicht. Stell sie kühler bei 16 bis 20 °C und bring das Licht dicht über die Pflanzen, 12 bis 16 Stunden am Tag. Tomaten setzt du beim Pikieren tiefer.

Wenn Keimlinge umkippen

Der Keimling stand gestern noch, heute liegt er, und an der Bodenlinie ist der Stängel dünn und faulig, manchmal mit weißem Flaum. Das ist die Umfallkrankheit, ein Befall an der Stängelbasis, und zu viel Nässe im Substrat spielt ihr in die Hände. Du beugst mit den Dingen vor, die oben schon standen: frische Anzuchterde aus dem Sack, in der keine Krankheitserreger sitzen, saubere Gefäße und ein Substrat, das feucht ist und nie nass. Gieß am besten von unten, lüfte die Haube täglich und nimm sie nach dem Auflaufen ab. Umgekippte Keimlinge holst du aus der Schale.

Brauchen Chili und Tomate nach dem Keimen weiter Wärme von unten?

Nach dem Keimen brauchen sie die Wärme von unten nicht mehr, auf der Matte schießen sie nur in die Länge. Hol die Schale runter oder senk den Thermostat und stell sie kühler und so hell wie möglich.

Wann und wie lange gehen die Lüftungsschieber auf?

Ein- bis zweimal am Tag für einige Minuten bis eine Viertelstunde, das Kondenswasser lässt du dabei ablaufen. Zeigt sich Schimmel auf Substrat oder Torftöpfen, war es zu nass und zu stickig; dann gehen die Schieber ganz auf, du gießt morgens sparsam, und nach dem Keimen kommt die Haube ohnehin weg.

  • Termin nach Art: Chili/Paprika ab Mitte Februar, Tomate ab Mitte März, Basilikum ab Ende März
  • Saubere Schale mit Abzugslöchern, Anzuchterde oder Anzuchtwürfel, keine Blumenerde
  • Saattiefe: Tomate und Chili/Paprika 0,5 bis 1 cm, Basilikum und Salat 0 bis 0,5 cm
  • Haube mindestens 4 cm über dem Substrat, Schale aus der direkten Sonne
  • Wärmematte mit Thermostat und Bodenfühler auf die Spanne der Art, Salat ohne Matte
  • Täglich geprüft: feucht, nie nass, ein- bis zweimal gelüftet
  • Erster Keimling: Haube runter, Schale von der Matte, ins Licht für 12 bis 16 Stunden am Tag
  • Pikiert ab dem ersten echten Blattpaar in 8 bis 10 cm Töpfe
Geprüft am 9. Oktober 2026Zahlen und Faustwerte liest ein Recherche-Agent gegen; Unbelegtes ist im Text markiert. Fehler gefunden? Sag uns Bescheid, wir prüfen nach.