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Pflanzenschutz & Pflege · Anleitung

Nützlinge einsetzen

Welcher Nützling zu Schädling und Zeltklima passt, wie du Streu, Tütchen und Nematoden ausbringst und wo die Packung bis zum Abend wartet.

Inszenierte Visualisierung: Paprikapflanze mit weißen Blüten und grünen Früchten, an einem Blattstiel hängt ein Nützlings-Tütchen, auf einigen Blättern liegt Streu; daneben eine offene Röhre mit ausgerieselter Streu

Mittags steckt der Umschlag vom Hersteller im Briefkasten: eine Röhre mit Streu, dazu ein flaches Tütchen. Heute Abend, kurz bevor im Zelt das Licht ausgeht, kommt beides an die Pflanzen. Bis dahin wartet die Röhre mit der Raubmilbe Phytoseiulus persimilis kühl und dunkel. Das Tütchen mit der Raubmilbe Amblyseius swirskii liegt auch im Dunkeln, aber nicht im Kühlschrank, dort ist es ihr zu kalt. So geht es bei Nützlingen weiter: Jede Art hat ihre Beute, ihr Klima und ihren eigenen Weg an die Pflanze.

Kurz gesagt

  • Spinnmilben: bei Befall die Raubmilbe Phytoseiulus persimilis, vorbeugend die Raubmilbe Amblyseius californicus.
  • Thripse: eine Raubmilbe gegen die Larven am Blatt, dazu Bodenraubmilben gegen die Puppen im Substrat.
  • Blattläuse: Florfliegenlarven auf die Kolonie, für die Dauer eine Mischung aus Schlupfwespen.
  • Trauermücken: Nematoden, für die Dauer Bodenraubmilben dazu.
  • In der Blüte sind 60 % Luftfeuchtigkeit die Obergrenze, und das Licht brennt 12 Stunden. Arten, die feuchtere Luft oder lange Tage brauchen, gehören ins Wachstum.
  • Nützlinge lassen sich nicht auf Vorrat halten: Du bringst sie am Liefertag aus und wiederholst nach Plan.

Erst der Schädling, dann das Klima

Am Anfang steht der Schädling, denn jeder Nützling hat seine Beute. Sitzen Spinnmilben auf den Blättern, bestellst du Phytoseiulus persimilis; sie frisst nichts anderes. Amblyseius californicus passt vorbeugend und bei trockenerer Luft, und bei Befall setzt du beide zusammen ein.

Bei Thripsen fängst du mit einer Raubmilbe gegen die Larven am Blatt an: Amblyseius cucumeris, wenn die Luft feucht genug ist, Amblyseius swirskii, wenn sie trockener und warm ist. Beide holen nur die jungen Larven. Gegen die Puppen im Substrat kommt die Bodenraubmilbe dazu. Sitzen schon erwachsene Thripse an der Pflanze, nimmst du die Raubwanze dazu, sofern das Licht mehr als 12 Stunden brennt.

Bei Blattläusen setzt du zuerst Florfliegenlarven auf den Befallsherd, also auf die Stelle, an der die Kolonie sitzt. Die Larven fressen jede Blattlausart, vermehren sich im Raum aber nicht. Für die Dauer kommt eine Mischung aus Schlupfwespen dazu: Die spüren auch einzelne, versteckte Läuse auf, und weil jede Art nur bestimmte Blattläuse annimmt, bestellst du mehrere Arten in einer Packung. Die Räuberische Gallmücke ist der dritte Weg, aber nur an langen Tagen und über offenem, feuchtem Substrat.

Gegen Trauermückenlarven setzt du Nematoden ein und nimmst für die Dauer Bodenraubmilben dazu. Die Nematoden wirken sofort, aber kürzer, die Bodenraubmilbe langsamer und über Monate.

Was dein Klima zulässt

Bei Licht liegen die Zielwerte aller Phasen zwischen 20 und 28 °C, das reicht allen Arten aus der Tabelle. Von Phase zu Phase ändern sich vor allem Luftfeuchtigkeit und Lichtstunden, und an diesen beiden entscheidet sich im Zelt meist, welche Art bei dir arbeitet. Lies trotzdem alle drei Werte am Thermo-Hygrometer und an der Zeitschaltuhr ab, bevor du bestellst.

65–75 %Jungpflanzen und Stecklinge, 16 bis 18 Stunden Licht: feucht genug für alle Raubmilben
55–70 %Wachstum, 18 Stunden Licht: alle Arten passen
45–60 %Blüte, 12 Stunden Licht; 60 % sind die Obergrenze
40–50 %Ende der Blüte: zu trocken für alle Raubmilben am Blatt
NützlingGegen wenBrauchtWiederholen
Raubmilbe Phytoseiulus persimilisSpinnmilben und ihre Eier; erst, wenn welche da sindüber 60 % Luftfeuchtigkeitdreimal im Abstand von 1 bis 2 Wochen
Raubmilbe Amblyseius californicusSpinnmilben; auch vorbeugendab 18 °C, über 50 % Luftfeuchtigkeitzweimal im Abstand von 2 bis 4 Wochen
Raubmilbe Amblyseius cucumerisjunge Thripslarven am Blattmindestens 60 % Luftfeuchtigkeit; an kurzen Tagen nur ein Stamm, der nicht diapausierend istTütchen nach 4 bis 6 Wochen
Raubmilbe Amblyseius swirskiijunge Thripslarven am Blatt, dazu Weiße Fliegemindestens 18 °C; verträgt trockene Luft besser als Amblyseius cucumerisStreu nach 2 Wochen, Tütchen nach 4 bis 6 Wochen
Raubwanze Orius laevigatusThripse, auch die erwachsenen Tieremehr als 12 Stunden Licht, mindestens 18 °C, mindestens 60 % Luftfeuchtigkeitzweimal im Abstand von 2 bis 3 Wochen
Bodenraubmilbe HypoaspisThripspuppen und Trauermückenlarven im Substratlockeres, feuchtes Substrat, im Substrat über 15 °Cbei Bedarf ein- bis zweimal
Nematoden Steinernema feltiaeTrauermückenlarven im Substratfeuchtes Substrat, mindestens 12 °Cbei Bedarf nach 4 bis 6 Wochen; bei starkem Befall wie im Artikel Trauermücken
FlorfliegenlarvenBlattläuse jeder Art; sie kommen direkt auf die Kolonieam besten 20 bis 26 °C; die Tageslänge ist ihnen gleichnach 2 bis 3 Wochen und bei neuem Befall
Schlupfwespen als MischungBlattläuse; sie finden auch einzelne, versteckte Tieredie Tageslänge ist ihnen gleichnach 2 bis 3 Wochen
Räuberische GallmückeBlattläuse jeder Artlange Tage, 65 bis 75 % Luftfeuchtigkeit, offenes, feuchtes Substratvorbeugend alle 2 bis 3 Wochen, bei Befall alle 1 bis 2 Wochen

In der Blüte wird die Auswahl klein. Raubwanze und Gallmücke fallen an kurzen Tagen aus. Für Phytoseiulus persimilis und Amblyseius cucumeris liegt die Luft an ihrer Grenze oder darunter; am ehesten passen jetzt Amblyseius californicus, Amblyseius swirskii und Florfliegenlarven. Im Substrat arbeiten Bodenraubmilben und Nematoden weiter, und zum Ende der Blüte bleiben dir nur sie und die Florfliegenlarven. Raubmilben setzt du deshalb früh ein, schon im Wachstum und beim ersten Fund, und wartest damit nicht bis zum Schluss.

Nicht alles passt zusammen. Die beiden Raubmilben gegen Thripse kommen nicht gemeinsam ins Zelt, du nimmst eine von beiden; mit der Raubwanze vertragen sich beide. Und wo viele Raubmilben sitzen, vor allem Amblyseius swirskii, oder die Raubwanze, können sie die Eier der Gallmücke fressen.

Bestellen und Liefertag

Du nimmst die kleinste Packung, sie reicht für ein Zelt mehrfach. Bestell früh, vorbeugend oder beim ersten Befall: Die Raubmilben gegen Thripse lassen die erwachsenen Tiere übrig, und gegen einen starken Befall kommen Raubmilben nicht mehr an. Hast du vorher gespritzt, wartest du je nach Mittel einige Wochen; als Anhalt nimmst du sechs. Im Zweifel fragst du beim Hersteller der Nützlinge nach, bevor du bestellst. Solange die Nützlinge arbeiten, spritzt du nicht.

Den Liefertag legst du auf einen Tag, an dem du abends Zeit hast, denn am Liefertag ausbringen ist die Regel. Bis zum Abend stehen Phytoseiulus persimilis, Amblyseius californicus, Florfliegenlarven und Schlupfwespen kühl und dunkel bei etwa 10 °C, höchstens einen Tag. Für Amblyseius swirskii und Bodenraubmilben ist der Kühlschrank zu kalt. Beide warten dunkel an einem kühlen Platz in der Wohnung, und auch sie nur kurz. Bei allem anderen hältst du dich an den Beileger und an das Datum auf der Packung. Nematoden halten gekühlt am längsten; auch bei ihnen zählt das Datum auf der Packung.

Schritt für Schritt: ausbringen

  1. Vorbereiten: Laufen Ameisen an den Pflanzen, entfernst du sie, bevor Schlupfwespen oder Florfliegenlarven kommen; sie stören beide. Die Gelbtafeln hängst du ab, bevor Schlupfwespen ins Zelt kommen, denn geflügelte Nützlinge bleiben daran kleben. Bei Nematoden und Bodenraubmilben bleiben die Gelbtafeln hängen, bei Raubmilben und Raubwanze die Blautafel.
  2. Zeitpunkt: Du bringst morgens oder abends aus, im Zelt also am Anfang oder Ende der Lichtphase oder bei gedimmter Lampe. Die Packung öffnest du erst an der Pflanze.
  3. Röhre oder Dose mit Streu: Die Raubmilben sitzen in der Streu, einem Trägermaterial aus Kleie, Vermiculite oder Holzspänen. Dreh die Röhre vor dem Öffnen vorsichtig und verteil die Streu auf große, waagerechte Blätter. Bei Spinnmilben kommen zwei Drittel auf den Befallsherd und ein Drittel auf die übrige Fläche. Bei feinem Laub legst du ein Küchenpapier in die Pflanze und streust darauf. Die Streu bleibt einige Stunden liegen, die leere Dose ein paar Tage in der Pflanze.
  4. Raubmilben auf Bohnenblättern, die Blattware: Fass die Blätter nur am Rand an und leg sie ins schattige Pflanzeninnere, dichter dort, wo der Befall sitzt.
  5. Tütchen: Fass es am Kartonstreifen an, reiß es nicht auf und häng es ins Pflanzeninnere, in mittlerer Höhe bis ins obere Drittel. Direktes Licht und Gießwasser hält es nicht aus. Die Raubmilben vermehren sich in der Tüte und wandern über Wochen aus dem vorgestanzten Loch.
  6. Pappwabe mit Florfliegenlarven: In jeder Zelle sitzt eine Larve. Zieh die Gaze stückweise ab und klopf die Larven auf die Kolonie, ein Drittel der Packung um sie herum. Die Wabe bleibt 3 bis 5 Tage in der Pflanze.
  7. Schlupfwespen: Geliefert werden sie als Mumien oder schlupfbereite Tiere im Tütchen oder in der Dose. Du öffnest die Packung erst zwischen den Pflanzen, hängst oder stellst sie trocken und vor direktem Licht geschützt auf und bewegst sie einige Tage nicht.
  8. Bodenraubmilben und Nematoden: Die Bodenraubmilben streust du dünn auf die leicht angefeuchtete Oberfläche und mischst sie nicht unter. Nematoden rührst du in Wasser an, verdünnst und gießt sie abends gleichmäßig auf alle Töpfe. Rühr dabei alle 10 bis 15 Minuten um und verbrauch die Lösung gleich, am besten innerhalb einer Stunde; aufgehoben wird sie nicht.
  9. Klima halten: Bei Raubmilben bleibt die Luftfeuchtigkeit im Bereich der Art. Im Wachstum sprühst du die Pflanzen dafür bei Bedarf fein über. In der Blüte bleibt die Luft unter der Obergrenze von 60 %, dort sprühst du nicht. Nach Nematoden hältst du das Substrat vier Wochen feucht, ohne Staunässe.
  10. Prüfen und wiederholen: Neue Blätter und Triebe bleiben frei. Ein Spinnmilbenbefall breitet sich nach etwa 10 Tagen nicht weiter aus. Die ersten Blattlausmumien, aufgeblähte, goldbraune Blattläuse, findest du 10 bis 14 Tage nach dem Aussetzen der Schlupfwespen, und bei Thripsen und Trauermücken sinken die Fänge an Blautafel und Gelbtafel. Danach wiederholst du im Abstand aus der Tabelle.
Häufiger Fehler

Phytoseiulus persimilis vorbeugend ins Zelt setzen. Ohne Spinnmilben verhungert sie oder frisst ihre Artgenossen. Vorbeugend nimmst du Amblyseius californicus: Diese Raubmilbe frisst auch Pollen und bleibt im Bestand, wenn kaum Beute da ist. Phytoseiulus persimilis kommt dazu, sobald Spinnmilben auf den Blättern sitzen.

Tomate, Chili, Kräuter, Zimmerpflanzen

An Tomate setzt du die beiden Raubmilben gegen Thripse und die Raubwanze nicht ein; im Substrat bleibt dir die Bodenraubmilbe. Chili und Paprika stehen meist 16 Stunden im Licht, dort passen auch Raubwanze und Gallmücke. Für Topfkräuter gibt es eigene Schlupfwespen-Mischungen aus fünf bis sechs Arten gegen verschiedene Blattläuse. An Zimmerpflanzen brauchen Raubmilben gegen Spinnmilben 18 bis 27 °C und mindestens 60 % Luftfeuchtigkeit. Sprüh die Pflanzen dafür öfter über, und ist der Neutrieb nach zwei Wochen nicht frei, setzt du nach. Florfliegenlarven stellen im Zimmer weniger Ansprüche.

Checkliste vor dem Ausbringen

  • Schädling bestimmt, Art nach Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Lichtstunden gewählt
  • Die letzte Spritzung liegt lange genug zurück
  • Der Liefertag ist ein Tag, an dem du abends Zeit hast
  • Keine Ameisen an den Pflanzen; Gelbtafeln hängen ab, wenn Schlupfwespen kommen
  • Lampe gedimmt oder Lichtphase am Anfang oder Ende, Packung erst an der Pflanze geöffnet
  • Die Verpackung bleibt ein paar Tage in der Pflanze
  • Der Termin für die Wiederholung steht im Kalender
Geprüft am 10. Oktober 2026Zahlen und Faustwerte liest ein Recherche-Agent gegen; Unbelegtes ist im Text markiert. Fehler gefunden? Sag uns Bescheid, wir prüfen nach.