Anzucht · Anleitung
Kräuter und Zimmerpflanzen über Stecklinge vermehren
Trieb schneiden, entblättern, dann Wasserglas oder Substrat unter der Haube: So bewurzeln Basilikum, Minze, Rosmarin, Salbei und Efeutute.

Die Efeutute auf dem Bücherregal hat ihren längsten Trieb bis auf den Teppich geschickt, und das Messer zum Einkürzen liegt schon daneben. Was dabei abfällt, muss nicht in den Biomüll. Ein Stück Trieb, knapp unter einem Blattknoten geschnitten und hell ins Wasserglas gestellt, treibt Wurzeln, und im Topf wird daraus eine zweite Efeutute, die der ersten gleicht. Basilikum und Minze wurzeln genauso im Glas, für Rosmarin und Salbei kommen Substrat und Haube dazu.
- Du schneidest eine weiche, noch nicht verholzte Triebspitze ohne Blüten, 5 bis 10 cm lang, direkt unter einem Blattknoten, und nimmst die unteren Blätter ab. Basilikum fürs Glas und Efeutute dürfen länger sein.
- Basilikum, Minze und Efeutute wurzeln im Wasserglas, Rosmarin und Salbei im Substrat unter einer Abdeckung.
- Unter der Haube zu Beginn 85 bis 90 % Luftfeuchtigkeit, die Lampe stark gedimmt, am Fenster keine direkte Sonne.
- Eine Haube lüftest du vom ersten Tag an täglich kurz. Mit den ersten Wurzeln beginnt das Abgewöhnen.
- Bewurzelungshormon ist in Deutschland nur für Zierpflanzen zugelassen. An Stecklinge von Kräutern kommt es nicht.
Welcher Trieb taugt und wie du schneidest
Du schneidest von einer gesunden, kräftigen Ausgangspflanze, denn schwache oder kranke Triebe wurzeln selten gut. Der Trieb trägt weder Blüten noch Knospen; beides kostet den Steckling Kraft und kann faulen. Er fühlt sich fest an und ist noch nicht verholzt.
Die Triebspitze ist 5 bis 10 cm lang und trägt 3 bis 4 Blattpaare. Einige Pflanzen weichen ab:
- Basilikum fürs Wasserglas: 10 bis 15 cm.
- Rosmarin und Salbei: ab dem späten Frühjahr weiche Stecklinge vom Neutrieb, im Sommer auch halbreife Triebe, die unten fest und oben noch weich sind, 10 bis 15 cm lang.
- Efeutute und andere Zimmerpflanzen: 8 bis 15 cm, weichtriebige wie die Buntnessel 8 bis 10 cm. Zieh bei der Efeutute zum Schneiden Handschuhe an, sie ist giftig und kann die Haut reizen.
Geschnitten wird morgens, dann ist die Pflanze prall mit Wasser gefüllt. Nimm ein sehr scharfes, sauberes Messer; ein stumpfes quetscht das Gewebe, und der Steckling nimmt schlechter Wasser auf. Der Schnitt sitzt direkt unter einem Blattknoten, der Stelle am Trieb, an der ein Blatt ansetzt. Dort entstehen die Wurzeln. Danach nimmst du die unteren Blätter ab, bei Zimmerpflanzen das untere Drittel, dazu die kleinen Blättchen in der Blattachsel. Sehr große Blätter halbierst du, das senkt die Verdunstung.
Wasserglas oder Substrat unter der Haube
Ins Wasserglas stellst du Basilikum, Minze und Efeutute; auch viele andere Zimmerpflanzen wurzeln im Glas. Rosmarin und Salbei steckst du in Substrat unter eine Abdeckung.
Das Glas steht hell, ohne direkte Sonne; die Haube gehört zum Weg über das Substrat. Ins Wasser taucht nur der blattlose Stiel. Bei der Efeutute steht ein Blattknoten unter Wasser, weil ihre Wurzeln aus den Knoten kommen und ein reines Stielende nicht wurzelt. Das Wasser wechselst du alle paar Tage, beim Basilikum alle 3 bis 4. Basilikum zeigt nach wenigen Tagen erste Wurzeln und zieht nach etwa 10 Tagen in den Topf. Auch die anderen topfst du ein, sobald einige Wurzeln da sind, denn lange im Wasser faulen sie. Im Topf ziehst du die Pflanze weiter wie jede Jungpflanze.
Schritt für Schritt: stecken unter der Haube
- Gefäß füllen: saubere Töpfe oder eine Schale mit angefeuchteter Anzuchterde. Anzuchtwürfel wässerst du und lässt sie abtropfen, ohne sie auszudrücken.
- Stich für jeden Steckling ein Loch vor. In einen Topf passen mehrere, mit etwa 5 cm Abstand; im Würfel nutzt du das vorhandene Steckloch.
- Setz den Steckling so tief, dass das erste Blattpaar knapp über dem Substrat steht. Drück ihn an, damit er nicht umfällt, und gieß an.
- Abdecken mit Haube, Folie oder Beutel. Nichts davon darf auf den Blättern liegen, sonst faulen sie; einen Beutel stützt du mit Stäben.
- Aufstellen: unter die stark gedimmte Lampe oder an ein helles Fenster ohne direkte Sonne.
- Einmal am Tag hebst du die Abdeckung an, lässt das Schwitzwasser ablaufen und nimmst Welkes und Faules heraus. Das Substrat hältst du feucht, aber nicht nass.
Klima und Licht unter der Haube
Ein Steckling hat noch keine Wurzeln und verdunstet trotzdem über die Blätter. Darum braucht er feuchte Luft, zu Beginn 85 bis 90 % unter der Haube. Bei Licht sind es 20 bis 25 °C, in der Dunkelphase 18 bis 22 °C. Die Lampe läuft 16 bis 18 Stunden am Tag, und am Pflanzendach kommen etwa 200 µmol/m²/s an. Eine LED hängt dafür 30 bis 60 cm hoch, aber nur stark gedimmt. Bei voller Leistung verdunstet der wurzellose Steckling mehr, als er aufnimmt.
Solange Kräuter und Zimmerpflanzen auf der Fensterbank bewurzeln, stehen sie hell, ohne direkte Sonne. Wärme von unten hilft weichen, nicht verholzten Stecklingen beim Bewurzeln: 18 bis 24 °C im Substrat, etwa mit einer Wärmematte samt Thermostat.
Eine Haube mit Schiebern, den verschließbaren Lüftungsöffnungen im Deckel, lüftest du vom ersten Tag an täglich kurz, sonst breiten sich darunter Pilzkrankheiten aus. Einen Folienbeutel nimmst du zum Lüften mindestens zweimal je Woche für 10 Minuten ab. Dauerhaft offen bleibt beides erst, wenn Wurzeln da sind.
Der Stiel wird im Substrat weich und fault, bevor sich eine Wurzel zeigt. Dann stecken noch Blätter oder Achselblättchen mit in der Erde, oder das Substrat ist gesättigt statt feucht. Nimm unten alles ab, was unter die Oberfläche käme, und steck in durchlässiges Substrat, aus dem überschüssiges Wasser ablaufen kann.
Wurzeln da: erst abgewöhnen, dann eintopfen
Weiche Stecklinge sind im Substrat nach 2 bis 4 Wochen bewurzelt, auch Minze, Rosmarin und Salbei. Du erkennst es an frischem Austrieb oder daran, dass der Steckling bei leichtem Ziehen Widerstand leistet; aus einem Anzuchtwürfel schauen unten weiße Wurzeln heraus. Zieh sacht und nicht ständig, frische Wurzeln reißen ab.
Zuerst gewöhnst du die Pflanzen an die Raumluft. Die Schieber der Haube gehen auf, Folie oder Beutel hebst du Tag für Tag ein Stück höher, und nach etwa 2 Wochen bleibt die Abdeckung ganz weg. In dieser Zeit bilden die weichen Blätter eine feste Wachsschicht; fehlt die Haube auf einen Schlag, welken sie. Du gießt in diesen Wochen öfter. Ohne Abdeckung sind 65 bis 75 % Luftfeuchtigkeit das Ziel.
Danach topfst du einzeln in kleine Töpfe, ein Würfel kommt ganz mit hinein. Zimmerpflanzen aus dem Substrat ziehen um, sobald die Wurzeln mindestens 2,5 cm lang sind. Wann du das erste Mal düngst, hängt an der Erde im Topf: Der Vorrat einer vorgedüngten Erde reicht je nach Mischung eine bis etwa sechs Wochen. Wie es mit mehr Licht und dem Abhärten für draußen weitergeht, steht im Artikel „Pikieren und abhärten: vom Keimling zur Jungpflanze“.
Bewurzelungshormon: nur für Zierpflanzen
Bewurzelungshormon, ob Pulver oder Gel, ist rechtlich ein Pflanzenschutzmittel. In Deutschland ist es für Zierpflanzen zugelassen, für Kräuter und Tomate nicht. An Basilikum, Minze, Rosmarin und Salbei kommt es nicht. Bei Efeutute, Buntnessel und anderen Zierpflanzen im Raum passt die Zulassung, nötig ist das Mittel dort nicht. Nimmst du es trotzdem, dann nur eines, auf dessen Etikett eine Zulassungsnummer und „Zierpflanzen“ stehen. Die Schnittfläche stippst du einmal 10 bis 20 mm tief ein und klopfst den Überschuss ab; frisch mit Gel behandelte Stecklinge fasst du mit Handschuhen an.
Zwei Sonderfälle: Grünlilie und Tomate
An den Ausläufern der Grünlilie wachsen fertige Jungpflanzen, die Kindel, die du abschneidest und eintopfst. Bei der Tomate lassen sich die Geiztriebe bewurzeln, die Seitentriebe aus den Blattachseln, die beim Ausgeizen anfallen.
Kann ich Stecklinge von einem alten Basilikum schneiden, der unten schon verholzt?
Ja, solange er noch Triebe hat, die fest und nicht verholzt sind und keine Blüten tragen. Die holzigen Teile lässt du stehen, sie wurzeln langsam.
- Gesunde Ausgangspflanze, Trieb ohne Blüten, fest und nicht verholzt
- Scharfes Messer, Schnitt direkt unter einem Blattknoten, untere Blätter ab
- Weg gewählt: Basilikum, Minze, Efeutute ins Glas; Rosmarin und Salbei ins Substrat
- LED stark gedimmt, am Fenster keine direkte Sonne
- Haube täglich kurz gelüftet, Beutel mindestens zweimal je Woche
- Kräuter ohne Bewurzelungshormon
- Mit Wurzeln: über etwa 2 Wochen abgewöhnt, dann einzeln eingetopft




