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Anzucht · Anleitung

Pikieren und abhärten: vom Keimling zur Jungpflanze

Pikieren ab dem ersten echten Blattpaar, erster Topf, Dünger je nach Erde und wie Jungpflanzen starkes Licht, trockene Luft und Sonne vertragen lernen.

Inszenierte Visualisierung: Jungpflanzen von Tomate, Chili und Basilikum werden mit dem Pikierstab aus der Schale in kleine Töpfe gesetzt

In der Saatschale stehen die Keimlinge inzwischen Schulter an Schulter, und bei den ersten schiebt sich zwischen den zwei glatten Keimblättern ein Blattpaar heraus, das anders aussieht. Bleiben sie jetzt noch lange so dicht stehen, werden sie gestaucht oder lang und dünn. Vor ihnen liegen mehrere Umzüge: in den eigenen Topf, unter stärkeres Licht und für manche zum Schluss auf den Balkon. Keiner davon verträgt Eile.

Kurz gesagt

  • Pikiert wird, sobald zwischen den Keimblättern das erste echte Blattpaar steht. Du fasst den Keimling nur an den Blättern an, nie am Stängel.
  • Der erste Topf hat 8 bis 10 cm Durchmesser, gesetzt wird so tief wie vorher.
  • Danach ein paar Tage ohne direkte Sonne, dann 20 bis 25 °C und 16 bis 18 Stunden Licht am Tag.
  • Wann du düngst, entscheidet die Erde im Topf: ohne Dünger jede Woche schwach, leicht vorgedüngt erst nach dem Anwachsen, stark vorgedüngt erst etwa ab der vierten Woche.
  • Eine dimmbare LED startet bei 25 bis 50 % und wird alle 2 bis 3 Tage etwas heller oder kommt ein Stück tiefer.

Der richtige Moment und der erste Topf

Das Zeichen zum Pikieren ist dieses erste echte Blattpaar. Steht bei dir schon jeder Keimling einzeln im Topf, brauchst du nichts umzusetzen und liest bei der Lampe weiter. Ein Anzuchtwürfel wandert als Ganzes in den Topf, für ihn gelten die Schritte ab dem Loch.

Der erste Topf hat 8 bis 10 cm Durchmesser. Im kleinen Topf übergießt du seltener, und mehrere Topfstufen hintereinander ergeben ein gesundes Wurzelwerk. Im großen Topf bleibt das Substrat lange nass, dann stockt das Wurzelwachstum; Paprika nimmt Nässe besonders übel. Ich rate deshalb zum kleinen Topf und zu einem Umzug mehr. Hinein kommt jetzt gedüngtes Substrat, also die Blumenerde, die bei der Aussaat noch zu stark war, oder eine schwach vorgedüngte Erde.

Schritt für Schritt: pikieren und angießen

  1. Einige Stunden vorher gießt du die Saatschale. Die Pflanzen haben dann Wasser gespeichert, und das Substrat löst sich leichter.
  2. Töpfe füllen, das Substrat leicht andrücken und anfeuchten.
  3. Mit Pikierstab, Holzstab oder Löffelstiel lockerst du das Substrat neben dem Keimling und hebst ihn von unten heraus, die Erde bleibt dabei an der Wurzel. Stehen mehrere dicht zusammen, hebst du sie als kleine Gruppe heraus und ziehst sie erst danach vorsichtig auseinander, damit keine Wurzel reißt.
  4. Anfassen nur an den Blättern. Ein gequetschter Stängel leitet kein Wasser mehr, und die Pflanze vertrocknet.
  5. Loch vorstechen, die Wurzel gerade hineinführen, so tief setzen wie vorher und das Substrat andrücken. Tomaten dürfen tiefer, bis zu den Keimblättern, weil sie am Stängel neue Wurzeln bilden.
  6. Vorsichtig und gründlich angießen, damit die Wurzeln Bodenschluss bekommen.
  7. Ein paar Tage Schonzeit zum Anwurzeln: hell, aber ohne direkte Sonne und nicht an die Heizung. Tomaten stehen in dieser Zeit drei Tage kühl.
8 bis 10 cmDurchmesser des ersten Topfs
25 bis 50 %Leistung, mit der eine dimmbare LED über Jungpflanzen startet
16 bis 18 hLicht am Tag für Jungpflanzen
etwa 200 µmol/m²/sLichtziel für Jungpflanzen, Spanne 100 bis 300

Die Lampe: von gedimmt bis volle Leistung

In der Schonzeit hängt die Lampe höher als sonst oder läuft gedimmt. Danach geht es in Schritten weiter. Eine dimmbare LED startet bei 25 bis 50 % Leistung, eine Lampe ohne Dimmer am größten Abstand, den der Hersteller empfiehlt. Alle 2 bis 3 Tage drehst du sie etwas heller oder hängst sie 2,5 bis 5 cm tiefer, und nach jeder Änderung schaust du dir die obersten Blätter an. Die Lampe läuft in dieser Zeit 16 bis 18 Stunden am Tag. Die 30 bis 60 cm Abstand über Jungpflanzen gelten für ein LED-Paneel nur stark gedimmt, bei voller Leistung wäre es dort zu viel Licht; wie weit du aufdrehst, entscheidet der Lichtwert.

Der Lampenabstand allein sagt allerdings wenig, denn zwei Leuchten in gleicher Höhe liefern sehr verschieden viel Licht. Auf der PPFD-Karte des Herstellers suchst du für Jungpflanzen etwa 200 µmol/m²/s, die Spanne reicht von 100 bis 300. Den Rest zeigt die Pflanze: Lange, dünne Stängel, die sich zum Licht neigen, bekommen zu wenig. Blasse, gebleichte oder eingerollte Blätter ganz oben bekommen zu viel, dann gehst du einen Schritt zurück. Später im Wachstum sind 300 bis 600 µmol/m²/s das Ziel; Kräuter und Salat bleiben bei etwa 250.

Beim Klima passen 20 bis 25 °C, solange das Licht an ist, 18 bis 22 °C im Dunkeln und 65 bis 75 % Luftfeuchtigkeit. Sollen Tomate und Paprika im Mai ins Freie, hältst du sie kühler, Tomate bei 16 bis 18 °C und Paprika bei 18 bis 20 °C.

Das erste Düngen hängt an der Erde

Wann die Jungpflanze Dünger braucht, entscheidet der Sack, aus dem du den Topf gefüllt hast. Gezählt wird immer ab dem Tag, an dem die Pflanze in dieser Erde steht.

  • Anzuchterde oder Anzuchtwürfel ohne Dünger: Steht die Pflanze weiter darin, bekommt sie wie seit dem Auflaufen jede Woche verdünnten Flüssigdünger.
  • Blumen- oder Kräutererde, leicht vorgedüngt: Zunächst gießt du nur Wasser, bis die Pflanze angewachsen ist. Dann beginnst du mit der halben Menge aus dem Düngeschema, der Dosiertabelle des Düngerherstellers, zum Beispiel 25 statt 50 ml Wuchsdünger auf 10 l, und steigerst bis zum Wert der Spalte.
  • Stark vorgedüngte Erde: Die ersten drei Wochen versorgt sie die Pflanze allein. Den Grunddünger, also den Hauptdünger des Schemas, setzt die Tabelle dort erst etwa ab der vierten Woche an.

Die volle Menge endet bei jungen Pflanzen schnell in Überdüngung, erst recht in trockenem Substrat. Blassgelbes Laub, violette Blätter oder hellgelbe Blattadern zeigen dagegen Mangel; dann dosierst du höher oder düngst öfter.

Von der Haube an die Raumluft

Dieser Absatz ist für Stecklinge und alles, was unter der Haube bewurzelt wurde. Sämlinge stehen seit dem ersten Keimling ohne Haube und kennen die Raumluft schon. Unter der Haube sind es anfangs 85 bis 90 % Luftfeuchtigkeit, und eine Pflanze, die auf einmal aus dieser feuchten Luft kommt, welkt in trockener Raumluft. Darum geht es der Reihe nach: erst die Lüftungsschieber auf, dann die Haube zeitweise ab, zum Schluss bleibt sie ganz weg. Lässt die Pflanze die Blätter hängen, war der Schritt zu groß, und die Haube kommt noch einmal drauf. Bewurzelte Stecklinge brauchen für diese Gewöhnung etwa zwei Wochen.

Nach draußen: Tomate, Chili, Paprika, Kräuter

Für Balkon und Beet kommt eine weitere Gewöhnung dazu, die an Sonne, Wind und kühle Nächte. Du beginnst 1 bis 2 Wochen vor dem Auspflanzen und stellst die Töpfe tagsüber raus, erst kurz in den Schatten und windgeschützt, dann länger und jeden Tag mit etwas mehr Sonne. In dieser Zeit gießt du seltener, lässt aber nichts welken. Bei Wind oder unter 7 °C bleibt alles drin. Tomate, Paprika und Chili holst du schon bei Nächten unter 10 °C wieder ins Zimmer, und Paprika geht tagsüber erst ab Mitte April und bei mindestens 15 °C raus, ohne direkte Sonne. Tomaten und Kräuter pflanzt du nach den Eisheiligen aus, 11. bis 15. Mai, Paprika ab Ende Mai. Wird eine Nacht noch einmal kalt, legst du ein Vlies über die Pflanzen.

Häufiger Fehler

Am ersten warmen Tag wandern die Töpfe vom Fensterbrett direkt in die Mittagssonne, und abends haben die Blätter Sonnenbrand. Draußen kommen anderes Licht, Wind, Temperatursprünge und trockenere Luft auf einmal zusammen. Stell die Pflanzen zuerst in den Schatten und gib ihnen über 1 bis 2 Wochen jeden Tag etwas mehr Sonne.

Wann kommt die Jungpflanze in den nächsten Topf?

Sobald das Substrat auffällig schnell trocknet, Wurzeln aus den Abzugslöchern wachsen und der Wurzelballen außen dicht durchwurzelt ist. Vor dem Umtopfen wässerst du. Die Faustregel für die Topfgröße richtet sich nach der Pflanzenhöhe: 3 l Topfvolumen je 20 cm.

  • Erstes echtes Blattpaar da, einige Stunden vorher gegossen
  • Topf mit 8 bis 10 cm Durchmesser, gedüngtes Substrat, angefeuchtet
  • An den Blättern gefasst, so tief gesetzt wie vorher, angegossen
  • Ein paar Tage ohne direkte Sonne und nicht an der Heizung
  • Lampe gedimmt gestartet, alle 2 bis 3 Tage heller oder 2,5 bis 5 cm tiefer, oberste Blätter im Blick
  • 20 bis 25 °C bei Licht, 65 bis 75 % Luftfeuchtigkeit, 16 bis 18 Stunden Licht
  • Dünger nach Erde: ohne Vorrat wöchentlich verdünnt, leicht vorgedüngt nach dem Anwachsen mit halber Menge
  • Für draußen: erst Schatten, dann Sonne, Eisheilige abwarten
Geprüft am 11. Oktober 2026Zahlen und Faustwerte liest ein Recherche-Agent gegen; Unbelegtes ist im Text markiert. Fehler gefunden? Sag uns Bescheid, wir prüfen nach.